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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1913-01-01 · Heft 2 · p. Seite 145

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
57 (1913)
Issue
Heft 2
Article
Christliche Talmudforschung
Date
1913-01-01
Page
Seite 145 (sequence 17)
Language
German
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Christliche Talmudforschang. 145 ben Bathira gehörte zur zweiten Generation (90 -130) der Mischnalehrer«. Hier hat Beer übersehen, daß der letzte Satz den Vorgang in eine Beleuchtung rückt, durch die die Anklage entkräftet wird. Denn warum in der Zeit kurz nach 70, also bald nachdem die Römer das jüdische Volk zertreten, sein Heiligtum zerstört, seine Selbständigkeit vernichtet und Hunderttausende von Juden niedergemetzelt oder in die Sklaverei geführt hatten, die Juden einen Heiden, der sich die Teilnahme am Pessachmahl erschlich, getöten haben, ist leicht zu begreifen. Ebenso verständlich ist es, wenn das Ereignis in die Zeit kurz vor 70 fällt. Es soll aber garnicht entschuldigt werden; nur darf ein christlicher Theologe sich nicht darüber entrüsten. Wieviel Hunderttausende von Juden sind im Zusammenhang mit dem Abendmahl getötet worden? Und nicht bloß einmal, sondern unzähligemal. War denn nicht die abergläubisch-wahnsinnige Lüge der Hostienschändung eines der beliebtesten Mittel, Judenplünderungen und Judenmetzeleien zu veranstalten? Und noch vor einigen Jahren1), als ein baldgetaufter jüdischer Professor als Zuschauer bei einer Abendmahlfeier entdeckt wurde, ging durch die christlichen Zeitungsblätter ein Sturm der Entrüstung und eröffnete die judenfeindliche Presse eine Judenhetze, die in manchen Ländern die Juden ernstlich um ihr Leben zittern ließ. Erst als der Baldgetaufte ein Schongetaufter wurde und er auf seine Professur verzichtete und die Juden ihrerseits in den Synagogen feierlich die Neugierde des Professors verdammten, legte sich der Sturm ein wenig. 4. Zu der oben mitgeteilten Erzählung läßt sich Beer folgendermaßen aus2): »Übrigens ist die Erzählung lehrreich *) Affaire Feilbogen! s) S. 59, Note. Monatsschrift, 57. Jahrgang. 10

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