Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Christliche Talmudforschung
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 141 (sequence 13)
- Language
- German
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Christliche Talmudforschung• 141 ist, das nicht bloß von der jüdischen Tradition so sehr abweicht, sondern auch in vielen Hauptpunkten in grellem Widerspruch zur Bibel steht, das wird als echt jüdisch erklärt. Würde es sich um einen schönen Zug handeln, dann würde Beer sich wohl schön hüten, das Jubiläenbuch zu judaisieren; da würde er alle Literaturen der Welt durchstöbern, um eine als Quelle zu erklärende Parallele zu finden, und fände er sie nicht, so würde er einfach in gewohnter Weise sagen: das wird wohl persisch, griechisch oder römisch sein oder anderswoher stammen. Nun findet aber Beer im Jubiläenbuch etwas recht häßliches, da erklärt er es als »echt jüdisch«. 2. Was Beer aus dem Jubiläenbuch anführt, ist nicht bloß nicht jüdisch, sondern auch nicht echt. Denn Jub. 49, 9 ist von »Liedersingen« keine Spur vorhanden; dort ist bloß von Lob und Dank an Gott die Rede. Hat Beer nie etwas von einem Tedeum gehört? weiß er nichts von Bitt- und Dankgottesdiensten in den Kirchen, während auf dem Schlachtfelde die Schwerter blitzen, die Kanonen donnern und das Blut in Strömen fließt? 3. Jes. 30, 29 ist zwar die Rede »von dem Liedersingen in der Nacht der Festweihe, d. i. wohl des Paschafestes, das in der Nacht gefeiert wurde«, aber es ist dort nicht die geringste Andeutung vorhanden, daß die Lieder gesungen wurden, »während Ägypten heimgesucht wird« und »als die Heiden vom Gott Israels vernichtet werden«. Gemeint sind eben Lieder der Festweihe, Lieder zur Erinnerung an den Auszug aus Ägypten. Der Vorgang ist sehr einfach: zwei verschiedene Stellen aus verschiedenen Schriften — zwischen denen ein Zeitraum von mindestens 6 Jahrhunderten liegt — werden zusammengeschweißt, da hat man so leicht das Gewünschte1). נ) Auf diese Weise könnte auch folgendes bewiesen werden: Beer urteilt über das Judentum, in anderen Werken kommen objektive