Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Christliche Talmudforschung
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 142 (sequence 14)
- Language
- German
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142 Christliche Talmudforschung. Und selbst wenn aus Jub. 49, 9 das herauszulesen wäre, was Beer in die Steile hineinliest, hätte ein deutscher Christ nicht das Recht, sich darüber so sehr zu ereifern. Weiß Beer nichts von den »Freiheitsliedern« der deutschen Literatur? Da singen deutsche Christen: »Wem soii der erste Dank erschallen? Dem Gott, der groß und wunderbar Aus langer Schande Macht uns allen In Flammen aufgegangen war, Der unserer Feinde Trotz zerblitzet Der unsere Kraft uns schön erneut«1). »Die Welschen hatGott wie die Spreu zerstreut Die Welschen hat Gott verweht wie den Sand«3). »Nun bebt vor Gottes Und Deutschlands Schwert Die Stadt des Spottes Der Blutschuldsherd«s). »Deutsche Freiheit, deutscher Gott, Deutscher Glaube ohne Spott Deutsches Herz und deutscher Stahl Sind vier Helden allzumal«4). Warum schreibt nicht Beer voller Entrüstung: »Echt deutsch-christlich ist der Zug: während Frankreich von der Verbündeten und Deutschlands gewaltigem Heere heimgesucht wird, feiert Deutschland seine Siegesfeier und singt Lieder dazu, als die Franzosen vom Gott der Deutschen vernichtet werden. Die Deutschen machen Musik dazu während der deutsche Gott die Franzosen zusammen- Urteile vor: folglich urteilt Beer objektiv über das Judentum. Wird Beer diese Quadratur des Kreises sich gefallen lassen? *) Bundeslied von Ernst Moritz Arndt, 1812. *) »Die Leipziger«, von Arndt. *) Geibel, »Am dritten September«, 1870. ף Arndt, 1812.