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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1913-01-01 · Heft 2 · p. Seite 139

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
57 (1913)
Issue
Heft 2
Article
Christliche Talmudforschung
Date
1913-01-01
Page
Seite 139 (sequence 11)
Language
German
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Christliche Talmudforsctnwg. 139 auf Herrschaft oder gar Weltherrschaft der Juden gedeutet werden könnte? Dafür sind nur die Verfasser der Liturgie verantwortlich, die in ihrem »Herrschaftstaumel« vergaßen, an Herrschaft zu denken. Was aber die Freiheit betrifft, so kommt die Freude über sie und die Sehnsucht nach ihr in der Pessachliturgie tatsächlich zum Ausdruck. Und nicht bloß in der Pessachliturgie und in den Festgebeten, sondern auch im täglichen Gebet wird des Auszuges aus Ägypten gedacht und um Freiheit und Erlösung gebetet. Aber aus der Sehnsucht nach Freiheit den Juden einen Strick zu drehen, ist eine der traurigsten Verirrungen des Menschenhasses. Und die Juden verdienten es nicht, Juden zu sein, wenn sie die Sehnsucht nach und die Hoffnung auf Freiheit aufgegeben hätten. Aber die Freiheit, nach der das Judentum sich sehnt, um die es betet, und auf die es hofft, ist nicht die »Freiheit und Gerechtigkeit«, für die im gegenwärtigen >Kreuzzug gegen den Islam« Hunderttausende von Menschenleben vernichtet und Hunderttausende von Familien in Unglück und Elend gestürzt werden — die »Freiheit«, die nach QuadratmeiIen,^Einwohnerzahl und Küstenhäfen gemessen, berechnet und bewertet wird. Was das Judentum unter Freiheit versteht, lehrt Maimonides in seinem Gesetzeskodex1). »Es sagen die Weisen2): der Unterschied zwischen dieser Welt und den Tagen des Messias wird nur darin bestehen, daß die Knechtung durch die Königreiche aufhören wird. Die Weisen und Propheten haben sich nicht dazu nach der Zeit des Messias gesehnt, daß sie die Welt beherrschen, auch nicht dazu, daß sie die Gojim unterdrücken, und auch nicht dazu, daß sie von den Völkern verherrlicht werden, oder um essen, trinken und sich freuen zu können, sondern dazu, daß sie sich frei der Er- *) Mischn.eh Torah, מלכים XII, 2, 4—5. Vgl. תשובה IX, 2. 2; Berachoth 34b, Sabbath 63a, 151b «. a.

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