Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Christliche Talmudforschung
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 137 (sequence 9)
- Language
- German
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Christliche Talmudforschung. 137 erkläre zwar die Juden für den Ausbund aller Schlechtigkeit, aber die Mischna übersetzen können sie doch besser als ich. Darf ich etwa deshalb, weil ich die Juden mit meinem ganzen Herzen, mit meiner ganzen Seele und mit meinem ganzen Vermögen hasse, ihre Mischnaübersetzungen und Kommentare nicht benützen? Das wäre ja echt rabbinische Ängstlichkeit. Als christlicher Theologe bin ich auf die jüdischen Ideen: Gottes- und Menschenliebe, Humanitätsgedanke, Gott als Vater, Heiligkeit u. a. so sehr stolz, ohne mich dadurch hindern zu lassen, dem Judentum alles mögliche und unmögliche Schlechte nachzusagen, so ist dem Übersetzer billig, was dem Theologen recht ist. So hat Beer auch die jüdischen Vorarbeiten fleißig benützt. Daher ist seine Übersetzung im allgemeinen leidlich korrekt, ebenso der Kommentar. Auf einzelne Fehler wollen wir hier nicht eingehen; bei einem Buch, in dem das Wissenschaftliche bloß Aufputz und Rahmen ist, kommt es auf einen Fehler mehr oder weniger nicht an. Dagegen müssen wir uns mit der eigentlichen Aufgäbe des Buches, seinem Kern und Stern, näher beschäftigen. Beers Arbeit unterscheidet sich von ähnlichen unter wissenschaftlicher Flagge segelnden judenfeindlichen Schriften dadurch, daß sie neben der Judenhetze auch Judenmission treibt. Auch dadurch unterscheidet sich Beer von anderen pseudo-wissenschaftlichen Judenhassern, daß er ehrlicher ist als jene. Während jene, um sich ihren Judenhaß von den Juden gut bezahlen zu lassen, ihre Angriffe und Verunglimpfungen durch einen Wust von Phrasen und sogar Kopmlimenten zu verschleiern suchen, macht Beer aus seinem Judenhaß keinen Hehl, sondern sagt klipp und klar: die Juden sind dies und jenes, das Judentum ist so und so. Seine Angriffe sind nicht neu, seine Verdächtigungen nicht von gestern; sie sind auch schon oft widerlegt worden; aber da sie immer vorgebracht werden, müssen sie immer von neuem widerlegt werden. Daß wir Irriümer und