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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1913-01-01 · Heft 2 · p. Seite 135

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
57 (1913)
Issue
Heft 2
Article
Christliche Talmudforschung
Date
1913-01-01
Page
Seite 135 (sequence 7)
Language
German
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Christliche Talmudforscbung. 135 man dem Vater im Himmel im Gebet naht, tut man gut, eine Stunde zu zögern. Die Ehrfurcht vor dem Vater überwiegt das Vertrauen«. — In der Mischna aber heißt es: Die alten Frommen pflegten vor ihrem Gebet eine Weile zu warten, damit sie ihr Herz auf den Vater im Himmel richten, d. h. damit sie sich sammeln und in andächtige Stimmung kommen. Also keine Spur von »zögern« und Mangel an Vertrauen. 15. Zu dem Satze »die alten Frommen pflegten eine Weile zu warten« bemerkt Holtzmann: »das ist Legende«. Woher weiß er dies? und was spricht gegen die Richtigkeit der Überlieferung? Und was berechtigt, an der Angabe, Tosefta VII, 2, zu zweifeln, — daß Ben Soma auf dem Tempelberge eine Menschenmenge gesehen? Was für einen Sinn hat es nun, wenn Holtzmann zu dieser Angabe bemerkt: »das geschah also — wenn es geschah — nach Zer- Störung des Tempels«? Und kann R. Simeon ben Gamliel in Tosefta IV, 9 nicht von einem früheren jerusalemischen Brauch Kenntnis haben? Was soll es nun bedeuten, wenn Holtzmann bemerkt: »zu seiner Zeit gab es kein Jerusalem, sondern nur die römische Kolonie Aelia Capitolina«? Aber diese sinnlosen Bemerkungen haben einen Zweck. Sie sollen offenbar das Substrat bilden für die im Prospekt ausgesprochene Verdächtigung der tannaitischen Tradition, die sich zu der Behauptung versteigt: »Vielfach zeigt schon der einfache Vergleich mit älteren, sei es biblischen, sei es außerbiblischen Zeugnissen, die Unrichtigkeit der in der Mischna niedergelegten Überlieferung«. Solange aber die Herausgeber nicht mit ihren Beweisen für diese Behauptung herausrücken, bleibt sie eine willkürliche, grundlose und — wofern die Bibel als Gegenzeugnis genannt wird — lächerliche Verunglimpfung, um nicht einen stärkeren Ausdruck zu gebrauchen. Der Prospekt schließt mit folgender Frage betreffend die Mischnaübersetzung: »Oder sollte gar von einem sol-

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