Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1913-01-01 · Heft 2 · p. Seite 134

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
57 (1913)
Issue
Heft 2
Article
Christliche Talmudforschung
Date
1913-01-01
Page
Seite 134 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2829132-2829851-2829854-2892036--40240-2892067
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

134 Christliche Talmudforschung. Im ersten Fall ist nun die Handlungsweise R. Gamliels genügend gerechtfertigt; im zweiten ist sie edel und human; im dritten groß und erhaben. Man braucht aber gär nicht diese Komplimente; es genügt die Tatsache, daß in den beiden letzteren Fällen es sich um Erleichterung für andere und Erschwerung für sich selbst handelt, um die ganze Ungeheuerlichkeit folgender Bemerkung Holtzmanns ermessen zu können: »Dreimal hält R. Gamliel seine eigene Regel nicht ein. Dazu vergleiche die Anklage Jesu, Matt. 23, 4: sie binden schwere Lasten und legen sie auf die Schultern der Menschen, aber sie selbst wollen dieselben nicht mit einem Finger rühren«1). Wie muß sich z. B. Bousset mit dem Versuch abplagen, die Anklagen der Evangelisten vor der Wucht der rabbinischen Gegenzeugnisse halbwegs zu retten2). Da ist es doch wahrlich viel einfacher und bequemer, nach Holtzmanns Methode die Gegenzeugnisse als Beweis und die Gegenbeweise als Bestätigung anzuführen 1 Das interessanteste aber Ist, daß Holtzmann selbst einige Zeilen früher nicht umhin kann, in bezug auf den dritten Fall zu bemerken: »Gamliel erfaßt die Hingabe an Gott mit großer Innerlichkeit«. Und doch ist dies eine Bestätigung der Anklage Mat. 23, 41 14. Und selbst wo die Unerbittlichkeit der Tatsachen ein Entschlüpfen ganz und gar unmöglich macht und man zu einem Zugeständnis an die Rabbinen gezwungen wird, sucht man die Bedeutung desselben auf alle mögliche oder richtiger unmögliche Weise abzuschwächen. So sagt Holtzmann zu IV, 2 von der jüdischen Frömmigkeit: »Ihr Merkmal ist ehrfurchst volle Scheu vor dem Heiligen. Im Gebet richtet man sein Herz auf den Vater im Himmel. ... Aber ehe *) Von mir gesperrt und fett gedruckt. Holtzmann teilt auch nur den griechischen Text mit. s) Vgl. darüber Perles, Bousset’s Religion des Judentums,. passim

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.