Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Beiträge zur Geschichte der partiellen Judentage in Polen um die Wende des XVII. u. XVIII. Jahrhunderts bis zur Auflösung des jüdischen Parlamentarismus (1764)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 739 (sequence 4)
- Language
- German
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,Beiträge zur Geschichte der partiellen Jadentage in Polen. 739 Zinsfuß für die s. g. Kapitalsanlagen ad synagogas schwankte :zwischen 7—71/״ Prozent1). Wie wir also sehen, steckten -eie Kahale bis über den Kopf in Schulden und zwar zumeist an die reichen Jesuiten2). »Die unerträglichen Schulden des Landes (־= Provin-;dafverbandes)« — wie sie stereotyp in den Beschlüssen der partiellen Judentage bezeichnet werden — bildeten angesichts der überhandnehmenden Armut der Kahale einen unlösbaren Knotenpunkt, an dem sich die partiellen Judentage bis zur Verzweiflung abzumühen hatten. Beschlüsse über Beschlüsse werden gefaßt; man glaubt den »richtigsten Weg der Schuldentilgung« gefunden zu haben. Man beschränkt die Ausgaben der Provinzialverbände ad minimum; -die öffentliche Wohltätigkeit wird als Ballast empfunden; der Provinzialverband verlangt von den Kabalen immer ־:größere Beträge zur Schuldentilgung, die Kahale deuten verzweifelt auf ihre Armut hin. Die Beschlüsse bleiben auf dem Papier — und der nächste Judentag hat wiederum vollauf mit der Schuldenfrage zu tun... bis endlich die Regierung, von den Gläubigern der Juden bedrängt und selbst auch Gläubiger, den bekannten »richtigsten Weg« ermittelte und die Judentage als ein für die Gläubiger der -Judenschaft wenig ersprießliches Institut auflöste. d) Die Mißwirtschaft der jüdischen Provin- -äsia 1 verbände hat nicht zum geringsten Teil zu dem immensen Steuer- und Schuldendruck, der auf den Kahalen lastete, beigetragen. ln arger Verblendung waren die Vorsteher der Provlnzialverbände mehr auf den persönlichen Vorteil, als den ') Vgl. unsere Arbeit: Die Juden in Tarnow (polnisch: Kwartateifc ״ feMoryczny, 1905). *) Die Judenschuiden sind in einem Rundschreiben der Steuer- Kommission der poin. Krone vom Jahre 1765 genau detailliert. Eine Abschrift desselben finden wir in Acta proconsülaria, consulassia Tarn oviensia 1759—1775, S. 183—196 (aufbewahrt im Tarnower Jüiagtstratsarchiv) vor. 47*