Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Beiträge zur Geschichte der partiellen Judentage in Polen um die Wende des XVII. u. XVIII. Jahrhunderts bis zur Auflösung des jüdischen Parlamentarismus (1764)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 738 (sequence 3)
- Language
- German
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38ד Beiträge zur Geschichte der partiellen Judentage in Polen. Städten und Städtchen werden wir mit unzähligen Klagen und Bittschriften belästigt.. . Die Delegierten klagen, daß ihre Wahlbezirke infolge des Steuerdruckes völligst zu Grunde gerichtet werden ...«, so werden die Beschlösse •des partiellen Judentages in Stopnica 1754 eingeleitet. Daß dies nur allzusehr der Wahrheit entsprach, kann insbesondere durch das Anwachsen des jüdischen Kopfgeldes in Polen während der Zeit 1650—1765 beleuchtet werden: 1650 betrug das jüdische Kopfgeld 70.000 polnische Gulden, 1658: 105.000, 1699: 210.000, 1717: 220.000, 1765: 859.312. ln derselben Zeit ist die jüdische Bevölkerung in Polen kaum um das Doppelte gewachsen (1667: ungefähr 290.000 Seelen, 1765: 453.642 Seelen)! Die Kopfsteuer dagegen über zwölf Mall Die Belege hiefür werden wir in einer demnächst erscheinenden größeren Arbeit über die Bewegung des jüdisehen Elements in Polen und Litthauen während des XVI., XVII. und XVUI. Jahrhunderts bringen. c) Die Schulden der polnischen Judenschaft betrugen gegen Mitte des XVIII. Jahrhunderts für die damalige Zeit ganz immense Summen. So schuldete der jüdische Generalverband insgesamt 2,450.000 polnisehe Gulden. Damit waren aber keineswegs die Schulden der einzelnen Kahale inbegriffen: Lemberg schuldete eine Million polnische Gulden, desgleichen Posen, Przemyäl eine halbe Million, desgleichen Leszno usw. Der Provlnzialverband der Woiewodschaft Sendomir (und vermutlich auch Krakau) zahlte 1754 an jährlichen Zinsen die beträchtliche Summe von 15.513 polnischen Gulden, was auf Schulden von über 200.000 Gulden hindeutet1) (der dazumal übliche *) Vgl. Dr. J. Landsberger: Schulden der Jadenscbaft in Polen etc. (Jahrbuch der j&d.-liter. Gesellschaft in Frankfurt a. M. 190SJ® D. M. Bat ab an: Spis Zydöw i Karaitöw 1765. Krakan 1909. S. 2—3. Dr. Schorr: Zydzi w Przemyältu Dr. Brawer.* Galizien, wie es an Österreich kam. 1910, S. 96. Budgetvorlage am part. Judentag in Stopnica (Ossolinsklsche Handschrift, Nr. 303).