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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 6 · p. Seite 714

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 6
Article
Eine talmudische Studie über Wiederholung des Gebets und Ersatzgebete
Date
1912-01-01
Page
Seite 714 (sequence 14)
Language
German
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714 Eiße taiiäudische Studie über Wiederholung deutet sein sollte. Und in Vajjikra rabbah 21 heißt es: לעולם ישקיע אדם עצמו במשניות שאם ירתק יפתחו לו אם לתלמוד לתלמוד אם לאגדה לאגדח. »Stets vertiefe man sich in das Studium der Mischnah, denn was verschlossen ist, wird hier eröffnet, sei es in talmudischer oder agadischer Beziehung, R. Eleasar lehrte im Namen des R. Josua ben Levi: עמוד ברזל המשנד!, eine eiserne Säule ist die Mischnah«, vergl. j. Sabbath 15; b. Baba mezia 33• Soferim 15, 6. Da nun, wie wir glauben nachgewiesen zu haben, die Mischnah keinerlei Bestimmung aufgenommen hat hinsichtlich des Ersatzgebets sowie hinsichtlich der Wiederholung des Gebets infolge Mangels an Andacht oder infolge eines Zweifels, ob man bereits gebetet habe, weil sie die überaus strenge Gesetzlichkeit bei dem Gebete, das ihr in erster Reihe eine Herzensangelegenheit ist, nicht zur Anwendung bringen wollte, wird man sich nicht wundern dürfen, wenn R. Eieasar bei seiner großen Verehrung gegen die Mischnah mit den in ihr vorherrschenden Anschauungen über das Wesen des Gebets sich mehr befreunden konnte als mit den Meinungen seines Lehrers R. Jochanan, der dabei zumeist von der Voraussetzung ausging, das Gebet sei nichts mehr als das Opfer. Man wird es nach alledem begreiflich finden, daß R. Eieasar vor allem auf eine Herzensandacht dringt and unter־ Berufung auf Esra 8, 15 in b. Erubin 65 a den Aussprach tut: »Wer von der Reise heimkehrt, der soll drei Tage lang nicht beten« (weil die Beschwerden der Reise eine Sammlung des Gemüts unmöglich machen). Und es hat noch gar manchen Lehrer auch unter den Amoräern gegeben, der sich zu der gleichen Ansicht bekannte. So lehrt ebendaselbst Chija b. Asche im Namen Rabs: »Wer nicht ruhig ist in seinen Gedanken, der bete nicht!« Und von R. Chanina wird erzählt, er habe nicht gebetet an einem Tage, da er in Zorn geraten war, weil eine Geraütserregung eine Gemütserhebung nicht aufkommen läßt.

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