Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Eine talmudische Studie über Wiederholung des Gebets und Ersatzgebete
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 713 (sequence 13)
- Language
- German
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des Gebete und ׳Ersatzgebete. 713 alte Überlieferung gegründete Ansicht seines Lehrers zu der seinigen macht? Was mochte ihn veranlaßt haben, die Lehrmeinung des R. jochanan;zu verlassen und nicht wie dieser das Gebet für einen reinen Opferdienst zu halten, sondern für eine innere Herzenssache? Man wird vielleicht im ersten Augenblick geneigt sein, anzunehmen, daß sich hierin die Einflüsse seiner babylonischen Heimat geltend machen, wo man den Gedanken an den Opferdienst mehr und mehr aufgegeben und sich nach und nach daran gewähnt hatte, Gott zu dienen mehr durch ein herzliches Gebet als durch eine äußerliche Opfergabe, während man in Palästina, dem Vaterlande des R. Jochanan, noch immer wehmutsvoll des ehemaligen Opferdienstes in dem nun zerstörten Tempel gedachte und hoffnungsvoll ausblickte auf die Zeit der Wiedererbauung des Tempels und der Wiederherstellung des Opferdienstes in seinem früheren Glanze, mittlerweile aber in dem Gebete einen Ersatz für das ־Opfer sah. Allein eine solche Unterscheidung zwischen Babyloniern und Palästinensern zur Zeit der Amoräer läßt sich anderweitig nicht wohl nachweisen. Das Richtige aber dürfte folgendes sein: R. Eleasar hatte, wie erwähnt, unstreitig eine große Verehrung gegen seinen Lehrer R. lochanan; noch größer aber war seine Verehrung gegen das Misehnahwerk des R. Jehuda ha-Nasi. Die Mischnah galt ihm als die reinste Quelle der mündlichen Überlieferung, und was er in ihr nicht ausgesprochen oder angedeutet findet, ist ihm, wenn auch nicht ganz belanglos, so doch von Zweifelhaftem Wert. b. Jebamot 36 a wird berichtet, R. Eleasar habe gesagt: אפשר איתא להא דריש לקיש ולא תגן לה נמתניתן. »Ist es möglich, daß die Ansicht des Resch Lakisch richtig sei, ohne daß sie in der Mischnah gelehrt wurde? Da ging eir hin, dachte sorgfältig nach und fand sie in der Mischnah*. Er hielt es also für undenkbar, daß irgend eine Wahrheit nicht in der Mischnah gelehrt oder zum mindesten ätfge*