Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 6 · p. Seite 711

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 6
Article
Eine talmudische Studie über Wiederholung des Gebets und Ersatzgebete
Date
1912-01-01
Page
Seite 711 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2829132-2829843-2829850-2891889--40023-2891976
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

des Gebets und Ersatzgebete. 711 ist mehr als gute Werke; denn wer war reicher an guten Werken als unser Lehrer Mose? Und doch fand er Erhörung vor Oott nur durch das Gebet«. Und wie von der Kraft des Gebets, so hatte R. Eleäsar eine sehr hohe Meinung von dem Wesen des Gebets; denn während sein Lehrer R. Jochanan das Gebet wiederholt als einen Ersatz für das damalige Opfer bezeichnet, beweist er a. a. O. aus jesaia 1, 11 und 15, daß גדולה תפלה יותר טן הקרבנות das Gebet mehr ist als die Opfer. Es ist ihm demnach nicht ein äußerer Dienst und nicht ein Ersatz für das Opfer, es kann vielmehr vermöge seiner innerlichen, lauternden Kraft durch ein Opfer nicht ersetzt werden. Seiner Auffassung von dem Gebet als einem Herzens• dienst entsprechen verschiedene Aussprüche, die von ihm überliefert werden. So sagt er b. Berachot 80 b: לעולם ימוד אדם את עצמו אם יכול לטין את לכו יתפלל ואם לאו לא יתפלל. »Stets muß man sich selbst prüfen; ist man in der Verfassung, mit Andacht beten zu können, so bete man, im anderen Falle aber unterlasse man es«. Tossaphot Berachot 34 b unter dem Schlagworte יכוין bemerken bereits den Widerspruch mit der dort von der Baraitha vorgetragenen Lehrmeinung und suchen ihn zu beseitigen durch die Erklärung: התם נטי באחת מהן; man fühlt jedoch das Gezwungene dieser Erläuterung, indem R. Eleasar seine Worte ganz allgemein und ohne Einschränkung auf »eine« Benediktion vorträgt. Mit einer Wiederholung des Gebets infolge Mangels an Andacht konnte er sich nicht wohl befreunden. Er sägt daher iin Jeruschalmi Berachot 5a: »Wenn jemand ohne Andacht gebetet hat, so wiederhole er das Gebet nur dann, wenn er sicher weiß, daß er bei einer Wiederholung andächtig sein wird, im anderen Falle aber unterlasse er es«. Damit aber hat er eine Wiederholung fast gänzlich ausgeschlossen, denn wie kann man im voraus wissen, daß man Herr seiner Gedanken bleiben werde? So kann sich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.