Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Eine talmudische Studie über Wiederholung des Gebets und Ersatzgebete
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 709 (sequence 9)
- Language
- German
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des Gebets und Ersatzgebete. 709 es auch nicht zur bestimmten Zeit als Pflichtopfer dargebracht, so mag es doch als Ausdruck frommer Seelen- Stimmung für eine freiwillige Opfergabe gelten, die Gott niemals verwirft. Ein anschauliches Bild von dem *Wandel der Anschauungen über den Charakter und die Gesetzmäßigkeit des Gebets gewinnt man bei eingehender Betrachtung der Stelle im babyl. Talmud Sabbat 11a. Die Mischnäh 9b sagt: מפסיקין לק״ש ואין טפסיקין לתפלה. »Man unterbricht das Thorastudium (nach Erklärung der Gemara סיפא אתאן לדברי תורה}, um das Sch’ma zu lesen, aber nicht um die Tefillah zu verrichten. Hier wird offenbar kein Unterschied gemacht zwischen חברים und sonstigen Menschen und von allen in gleicher Weise gesagt, daß sie das Thorastudium nicht unterbrechen dürfen wegen der Tefillah; in der Baräitha dagegen wird die Bestimmung der Mischnah nur auf חברים eingeschränkt und gesagt: חברים שחיו עוסקין בתורה מפםיקין לק״ש ואין מפסיקין לתפלה, daß also nur die »Chaberim« das Thörastudium nicht unterbrechen, um das Gebet zu verrichten, während sonstige Israeliten selbst das Studium der Thora zurückzustellen haben, um das Gebet zur rechten Zeit zu sprechen. R. Jochanan hingegen findet beide Ansichten, die der Mischnah wie der Baräitha, zu weit gehend. Ihm ist das Gebet wichtiger als Alles, und er hält die Verpflichtung zum Gebet, obgleich sie nur rabbinisch ist, für so bedeutend, daß ihr gegenüber alles andere und selbst das Thorastudium zurücktreten muß. Um äber einen Gegensatz zwischen seiner Lehrmeinung und der Mischnäh nicht aufkommen zu lassen, interpretiert er die letztere in folgender Welse: אמר ד יוחנן לא שנו אלא בגון ר*ש בן יוחי וחביריו שתורתן אומנתן אבל כגון אני מפסיקין לק״ש־ ולתפלה. Er schränkt demnach die Bestimmung der Mischnäh nur auf Männei wie R. Simon׳ ben Jochai und'Genossen ein, denen das Thofastüdium gewissermaßen ein Geweihe äst, »Leute wie wir dagegen«, fügt er'mit ‘edier Bescheidenheit hinzu,