Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Eine talmudische Studie über Wiederholung des Gebets und Ersatzgebete
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 708 (sequence 8)
- Language
- German
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708. Eine talmudische Studie über Wiederholung lieh finden, wenn man. bedenkt, daß die allgemeine Ab* neigung gegen das viele Beten alt ist. Man findet, sie im fa. T. bei Matth.. 6,. 7 in den Worten: ».Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern, wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn, sie viele Worte machen.« Nach diesem Berichte war es , h e i d n i s c h e, aber nicht j ü d i s c h e S i 11 e, viele Worte beim Gebet zu machen. In der Tat wird die Abneigung gegen das viele Beten hier nicht zum ersten Mal ausgesprochen.. Schon Jesaias rügt die leere Äußerlichkeit des Gottes• dienstes; er erblickt in der äußeren Gabe ohne innere Wahrheit eine wertlose Werkheiligkeit und sagt: »Auch wenn ihr Gebete mehret, so höre ich nicht« (1,15). »Dein Herz,« mahnt Kohelet 5,1, »übereile sich nicht, ein Wort vor Gott auszusprechen, denn Gott ist im Himmel und du bist auf der Erde, darum sollen deiner Worte wenig sein«, d. h. wenn du vor Gott stehst, denke an seine Majestät und an deine Niedrigkeit, darum mache nicht viele Worte,, bete wenig, aber mit Andacht und Ehrfurcht (vergl. Ibn Esra z. St.).. Auch der Talmud b. Berachot 61,a bezieht Kohelets Mahnung auf das Gebet und sagt im Anschluß daran: אדם מועטין לפני הקב״ה bv לעולס יהיו דבריו• »Stets seien die Worte des Menschen wenig vor Gott!« in gleicher Weise wird Spr. Sal. 14, 23: »Gerede der Lippen führt nur zum Fehler■* vom, Talmud jerusefi. Berachot 7 a auf das. Gebet bezogen und hinzugefügt: »Hanna habe die Lebenstage ihres Sohnes Samuel verkürzt, weil sie viele Worte machte,, als sie um ihn betete«. Wie ist es nun zu verstehen, daß R. Jochanan trotzdem das viele Beten für ein gottgefälliges, Werk hält und in ihm ein Zeichen inniger Herzensfrömmigkeit erblickt? Allein, hält man die beiden Aussprüche des R. Jochanan zusammen, so findet man, daß sie einander erganzen und folgenden Sinn geben : Möchte doch der Mensch den ganzen Tag beten! Möchte er viel beten, so oft et dazu getrieben wird! Das Gebet ist ein Opfer, und, wird.