Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Eine talmudische Studie über Wiederholung des Gebets und Ersatzgebete
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 707 (sequence 7)
- Language
- German
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des Gebets1 und Ersatzgebete. 707 eine ähnliche Bemerkung des R* Jochatian überliefert in folgenden Worten: אר״י אמר ר׳ יוחנן טעה ולא התפלל מנחה מתפלל בערבית ב׳ ואין בזה משום דעבר יומו בטל קרבנו (Berachot 26 a). Warum aber dieser Grundsatz im vorliegenden Falle keine Anwendung finden soll, wird hier nicht gesagt; aber wir können den Grund vermuten. Wir meinen nämlich, R. Jochanan habe hier den Gedanken aussprechen wollen: Das Gebet ist ein Opfer, das wie dieses zu bestimmten Zeiten verrichtet werden muß. Wie es aber neben dem Pflichtopfer auch noch freiwillige Opfer gab, die der Einzelne zu jeder Tageszeit nach seinem guten Herzen darbringen konnte, so ist auch Raum für das freiwillige Gebet neben dem Pflichtgebet. Der fromme Wunsch des R. Jochanan hat demnach folgenden Sinn: Möchte doch der Mensch den ganzen Tag beten! Bete, wann immer du willst, bete den ganzen Tag, so oft dich dein Herz dazu antreibt, ist dein Gebet auch kein קרבן חובה, so mag es doch als קרבן נרבה gelten, indem es den Zweck hat, dich mit Gott zu verbinden. Ir. ähnlichem Sinne hat Maiffi. (Tefülah 1, 9) die Worte R. jochanans verstanden. Er schreibt: אם רצה אדם להתפלל כל היום כלו הרשות בידו ובל אותן התפילות שיוסיף כמו מקריב נדבות. Ob man bei solchen freiwilligen Gebeten מחדש כה דנר »neue Worte machen muß«, ist ein Streit unter den Erklarem, der aber nicht hieher gehört (Vergi. Mahn. a. o. O., R. Jona u. Rosch z. Zt., ferner Abudraham 4a). Man wird nicht fehlgehen, wenn man annimmt, daß R. Jochanan aus den gleichen Erwägungen heraus ein Freund und Verteidiger des langen und anhaltenden Betens war und ihm Erhörung vor Gott in sichere Aussicht stellte. Im Jeruschalmi Berachot ל b wird in seinem Namen vorgetragen: »Die Erzählung von der Hanna in 1. Sam. 1,12 beweist, daß der erhört wird, der viel und anhaltend betet« והיה כי הרבתה להתפלל לפני ה׳ מיכן שכל המרבה בתפלה נענה. Man wird diese Äußerung des R. Jochanan mindestens befremd- 45*