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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 6 · p. Seite 673

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 6
Article
Eine unbekannte jüdische Sekte
Date
1912-01-01
Page
Seite 673 (sequence 10)
Language
German
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Eine unbekannte jüdische Sekte. 673 $ö daß Leute es vorzogen, lieber Geldverluste zu erleiden, als die ihnen vom Gericht auferlegten Eide zu leisten, darf man wohl annehmen, daß die Geonim mit ihrer Schwurform einen schon zur Zeit des Talmud existierenden Gebrauch gesetzlich fixierten. Vgl, auch Philo, Ober die Einzelgesetze 2; II, 270; Über den Dekalog 17 und 18; 11, 195, 196; Dekalog — Jellinek, B. ha-M. I, 72 — wird der wahre Schwur noch strenger beurteilt: »Sogar einen wahren Schwur darf man nicht schwören . . . und wer den Hamen Gottes entweiht, indem er falsch, ja sogar wenn er der Wahrheit gemäß schwort, dessen Schlupfwinkel ־־־־ lies מסתורו für משכורתו —. offenbart Gott, und seine Schlechtigkeit wird allen Menschen bekannt; wehe ihm in dieser Welt und wehe ihm in der zukünftigen Weit« . . . אפילו באמת אין אדם רשאי לישבע ובל המחלל שמו של הקב״ה ונשבע לשקד או אפילו באמת סוסו הקב״ה מגלד, משכורתו ורשעד לכל אדם אוי לו בעולם הזה אוי לו לעולם הבא. Aus einem unbekannten Midrasch zitiert R. Jochanan Treves in seinem Werke קמחא דאבישונא — zum Wochenfest פיוט t אל, בהנחילך — folgenden: Ausspruch über den wahren Schwur: dieser Vers — Jes. XLVII1, 1 — tut dir kund, wie schwer die Sünde des Schwörens ist, denn sogar wenn jemand gezwungen war, im Gericht beim Namen Gottes zu schwören, soll er als Buße für den geleisteten Eid Almosen geben בא הכתוב להודיעך כמה חמורה השבועה שאפילו הוצרך לד,שבע בבית דין באמת בשם י״י יתן. צדקה על השבועה. Bezeichnend für die Scheu, einen, wenn auch wahren Eid zu leisten, ist die Anekdote Baba B. 32 b unten, über den Mann, der seinen Ruf aufs Spiel setzt und sogar eine Unwahrheit sagt, um nur nicht einen Eid leisten zu müssen, Es ist auch wohl auf Grund dieser Angaben in der falmudisch-midraschi״ sehen Literatur, daß im Sefer Chassidim S. 137;;341 ed. Wistinetzki, die vollständige Enthaltung des Schwörens anempfohlen wird. Daß aber diese Scheu vordem Schwören älter als das Urchristentum ist, zeigen nicht allein Philo und die Essener, von denen nach der Angabe des Josephus —■ Bell. Jud. II, 8,6 ־ ein Eid schlimmer als ein Meineid betrachtet wurde, sondern auch die Pharisäer zur Zeit des Herodes, Diese, be״ richtet Josephus — Ant XV, 10, 4 — verweigerten den Huldigungs״ eid, wurden aber nicht bestraft aus Rücksicht auf Pollio — sicher הלל und nicht אבטליון — den Herodes hochschäfczte. Diese Verweigerung des Huldigungseides kann keinen anderen Grund gehabt haben, ala die Abneigung der Pharisäer, beim Namen Gottes zu schwören, sonst wäre Herodes der letzte gewesen, ihnen den Huldigungseid zu erlassen. Dieser Grund war es sicher, den die Essener für die Verwei״ Monatschrift, 58. Jahrgang. 43

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