Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Jean Jacques Rousseau und das Judentum
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 660 (sequence 20)
- Language
- German
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660 Jean Jacques Rousseau und das Judentum. gemacht. Dem schwedischen Juden Salo m.o n1) bot er die• Anregung für den Handwerksunterricht, der in den letzten Jahrzehnten in Deutschland gewürdigt und besonders auch von den in jüdischen Gemeinde־ schulen angestellten Lehrern eifrig in der Überzeugung gepflegt wird, daß dadurch die judisehe Jugend mehr als bisher dem Handwerk zugeleitet wird, das weit eher als der Kleinhandel einen ’goldenen Boden hat. Die schon erwähnte Bedeutung des in das Erziehungswerk »Emile« eingeflochtenen »Glaubensbekenntnisses eines savoysrdischen Vikars« für die Abwehr unberechtigter Angriffe auf das Judentum bedarf keiner weiteren Ausführung. Sie verdient, der jüdischen Jugend, die wirksamen Schutzen gegen Abfallsversuche bedarf, ganz besonders empfohlen zu werden. Aus derselben Gemütstiefe schöpfte Rousseau die Kraft zu dem Roman »Die neue He lotse«, der nächst dem »Emile« seinen Namen zumeist gefeiert machte, weil sich auch in dieser durch eine hinreißende Sprache2) ausgezeichneten philosophischen Idylle die Lehren der Freiheit, der Menschenliebe und der Duldung widerspäegein. Goethe hat St. Preux's Seelenkämpfe, in denen Rousseau unverkennbar seine eigenen schildern wollte, im »Werther« vergeistigt wiedergegeben, im »Tasso« auf ein anderes Gebiet übertragen und ln »Wilhelm Meisters Lehrjahren« das Ideale mit dem Realen zu versöhnen gesucht. Von den glänzenden Erfolgen seiner Schriften hat der große Denker geringen Nutzen gezogen, dagegen haben ihn seine politischen und wirtschaftlichen Werke, die von seinen Zeitgenossen als Büßpredigten übel ') Salomon, ־Arbeitsschule u. Volksschule« (A. d. Schwedisehen, Wittenberg 1881), »Pädagog. Slöjd« (Deutsch v. Q, Mayer), Leipzig 1902. s) Ernst Schutte, »Rousseau, seine Persönlichkeit und sei». Stil, Xetiien.-Verlag, Leipzig 1910, S. 12,