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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 6 · p. Seite 661

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 6
Article
Jean Jacques Rousseau und das Judentum
Date
1912-01-01
Page
Seite 661 (sequence 21)
Language
German
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Jean Jacques Rousseau und das Judentum. 661 ׳empfunden, oder als Umsturzlehren verurteilt wurden, zahllose Verfolgungen zugezogen. Seiner am 9, Juni 1762 von dem französischen Parlament beschlossenen Verhaftung kam Rousseau durch schleunige Flucht nach Genf zuvor, da er in seiner Vaterstadt eine Zuflucht zu erhalten hoffte. Aber dort setzte der Staatsanwalt Tronchin seine Verurteilung durch, und der Konvent beschloß, die von ihm als staatsgefährlich betrachteten Schriften am 19. Juni 1762 vor dem Rathaus verbrennen und den Verfasser festnehmen zu lassen. Er entkam nach Bern, aber auch dort war seines Bleibens nicht; er flüchtete in das, zu dem damals unter preußischer Hoheit stehenden Neufchätel gehörige Dörfchen Motiers - Travers, wo er durch den preußischen Statthalter Lord Keith beschützt wurde. Verbannt hatte ihn die republikanische Schweiz, von der er in der ״Neuen Heloi'se“ gesagt hat: »Je mehr ich diesen kleinen Staat bewundere, desto mehr finde ich es schön, ein Vaterland zu haben*. Und von seinen unduldsamen Genfer Landsleuten schrieb er noch später in seiner Selbstbiographie »Bekenntnisse« Confessions. 1 V. S. 94: «Ich liebe sie, mir selbst zum Trotz, obgleich sie mich mißhandeln1)». Auch hierbei wie in anderen Charakterzügen des Unglückliehen, gehetzten Mannes zeigt sich eine auffallende Ähnlichkeit mit vielen verfolgten Juden. Ihm gewährte Friedrich der Große nur gnädige Duldung, aber keine Huld und ließ ihm, nach einem Schreiben an Keith, in dem Rousseau mit Worten seiner schlimmsten Gegner verspottet wurde, eine Unterstützung von 100 Thalern anbieten, deren Annähme verweigert wurde. Rousseau verließ Motiers und verbrachte dann längere Zeit ruhige Tage auf der Petersinsei zu Biel, bis er, von dort verwiesen, 1766 nach England ging, wo er sich auch nicht wohl fühlte. Nach weiteren Irrfahrten kam er schließlich 1770 wieder nach *) Gaspard Valette, J. J. Rousseau, Genevois, 1911, (Introdnction) S. 2.

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