Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Jean Jacques Rousseau und das Judentum
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 657 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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Jean Jacques Rousseau und das Judentum. 657 fischen Pfarrer in Annecy eine Zuflucht fand, der ihn bei einer als mildtätig bekannten Frau v. Warrens unterbrachte. Diese Dame nahm sich seiner mütterlich an, führte ihn aber dem katholischen Glauben zu, weil sie zu diesem ebenfalls früher bekehrt worden war. Über das Verhältnis der schönen und begabten Frau zu dem 13 Jahre jüngeren Flüchtling ist viel gefabelt worden. Was Rousseau selbst im späteren Lebensalter darüber berichtet hat, ist so romanhaft, daß man es nur als »Wahrheit und Dichtung« auffassen kann. Jedenfalls hatte er ihr viel zu danken und hat nie geleugnet, daß er in ihrem Hause, in dem er Musikunterricht empfing und botanische Studien machte und sich auch sonst weiter bildete, glückliche Zeiten verlebt hat. Er blieb bei ihr, auch noch als er durch Katasterschreiben und Musikunterricht sein Brot erwarb, auch durch Erbschaft einer mäßigen Summe unabhängig wurde. 1741 ging er aber nach Paris und kehrte dort zum väterlichen Glauben zurück, den er als Knabe nur, um der drückendsten Not zu entgehen, verlassen hatte. In Paris mußte er sich anfangs mit dienenden Stellungen begnügen, beschäftigte sich jedoch nebenher mit theoretischen Arbeiten über Musik und anderen schriftstellerischen Arbeiten, die ihn veranlassten, keine Stellung mehr anzunehmen und seinen Lebensunterhalt und den seiner Geliebten Therese Levasseur, der späteren Lebensgefährtin Rousseaus, als Schriftsteller und Notenschreiber zu erwerben. Durch einen Herrn v. Franceuil und Madame Dupin bei Frau v. Epinay und Madame d’Houdetot eingeführt, trat er mit Voltaire, besonders aber mit Grimm und Diderot in geistigen und freundschaftlichen Verkehr, der sich, wie schon erwähnt, ins Gegenteil verwandelte, als aus dem beschützten und bescheidenen Autodidakten sich ein durch seine Originalität und Kühnheit erfolgreicher literarischer Nebenbuhler ent wickelte. Dies geschah, als er sich 1749 an der von der Akademie zu Dijon gestellten Preisaufgabe versuchte : »O b Monatsschrift. 66. Jahrgang. 42