Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Jean Jacques Rousseau und das Judentum
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 655 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Jean Jacques Rousseau and das Judentum. 655 kärglich durch Notenschreäben. Nach dem einzigen wirklichen Erfolg, den er mit einem seiner vielen musikalischen Erzeugnisse errang, der Aufführung des »Dorfwahrsagers«, zu dem er auch den Text gedichtet hatte, weigerte er sich, dem König von Frankreich vorgestellt zu werden, der ihn zu sehen wünschte, und verlor dadurch ein Jahresgehalt, das ihm Ludwig XV. nicht auf Kosten des Staates, sondern aus seiner eigenen Privatschatulle zugedacht hatte1). Ein derartiges Verhalten wirkte nicht nur auf Voltaire, sondern auch auf die in Hofkreisen und in den Salons der Aristokraten heimischen Gelehrten Diderot und Grimm, die Rousseaus erstes schriftstellerisches Auftreten Überschwanglieh gefeiert hatten, so abstoßend, daß es nur noch seiner offenen Lossagung von der materialistischen Richtung dieser beiden Freunde bedurfte, um sie in erbitterte Gegner zu verwandeln. Diderot äußerte sich in seinen Noten zum »Leben Senecas« ganz besonders gehässig, und die bewundernden Biographen der beiden Schriftsteller (z. B. Karl Rosenkranz in »Leben Diderots«) verteidigten diese leidenschaftlich auf Kosten Rousseaus. Diesem hat die Gegnerschaft der drei aristokratisch gesinnten Aufklärungsphilosophen nicht nur den Lebensabend verbittert, sondern auch noch nach seinem Tode geschadet. Die Rousseau-Literatur, die einen ungemein großen Umfang hat®), gibt davon Zeugnis, mit welcher Erbitterung der Kampf geführt wurde, aber auch davon, welche weitbürgerliehe Bedeutung dieser Kampf hatte und noch hat. H e 11 n e r sagt in seiner Geschichte der französisehen Literatur des 18. Jahrhunderts: »Man sollte endlich aufhören, immer nur von dem auflösenden Wesen, von >) Gaspard Valette, J. J. Rousseau, 1911, a. a. O. S. 74. *) U. a. R. M. Mayer-München (Vorträge, 1906, 1907). Ernst Elster-Halle n. Marburg (Vortr. 1907, 1908). Erich Schmidt, »Richardson, Rousseau und Goethe«, Jena 1875. Georg Brandes, Edwin Kaumann- Berlin. F. Bock-Bremen (Protestantenblatt, 1909) u. a. m,