Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Jean Jacques Rousseau und das Judentum
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 654 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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654 Je au Jacques Rousseau und das Judentum« Verdienste sich erworben hat, hätte eigentlich zu einer ähnliehen Beurteilung der Judenfrage kommen müssen, wie Rousseau. Er ist aber vielleicht durch einen üblen Handel mit einem einzelnen Juden, bei dem er sich übrigens durch seine Geldgier selbst die Hauptschuld zuzuschreiben hatte, zu einem Judenfeind geworden, wenn er es nicht schön vorher gewesen sein sollte. Friedrich der Große hat Voltaires häßlichen Charakter bei diesem Handel erkannt und sich deshalb von diesem geistreichen und bestrickenden Höfling losgesagt, aber inbezug auf die Lage der preußischen Juden mag doch zu deren Ungunsten manches von dem judenfeindlichen Einfluß Voltaires an dem sonst freisinnigen König haften geblieben sein, in dessen Staat nach seinem eigenen Ausspruch »jeder nach seiner Fasson selig« werden sollte. Auch das Verhältnis zwischen Voltaire und Rousseau, dessen erste Erfolge schon den Haß des, jeden ebenbürtigen Nebenbuhler verfolgenden, Gelehrten erweckt haben und eine nur aus Gefälligkeit für seinen Gastgeber d'Alembert von Rousseau veröffentlichte Streitschrift gegen das von Voltaire in Genf erzwungene Theaterunternehmen noch mehr gereizt hatte, zeigte den Charakter Voltaires von der häßlichsten Seite. Er hegte auch als reicher Fürstendiener und aristokratischer Spötter in religiösen Dingen eine leicht verständliche Abneigung gegen den tief religiös veranlagten, Charaktervollen Volksmann, der allem Luxus feind war und seine politische und wissenschaftliche Unabhängigkeit konsequent derart zu wahren suchte, daß er zum Entsetzen seiner Freunde jede Fürstengunst abwies, selbst eine ihm von Franceuil verschaffte glänzende Kassenverwaliungsstelle nicht annahm. Er lebte auch nicht von dem Erlös seiner Schriften, sondern ernährte sich und seine, ihm in Folge der Religionsverschiedenheit nicht kirchlich, sondern nur durch einen Zivilakt angetraute, inbezug auf ihre Lebensansprüche ebenso wie auf ihren Bildungsgrad höchst bescheidene, Frau