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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 6 · p. Seite 652

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 6
Article
Jean Jacques Rousseau und das Judentum
Date
1912-01-01
Page
Seite 652 (sequence 12)
Language
German
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662 Jean Jacques Rousseau und das Judentum. Verfasser und Verleger bestrafen, Das ist ein bequemes Verfahren, sicher, um immer Recht zu behalten. Aber auch die unter uns, die in der Lage sind, mit Juden zu verkehren, kommen nicht weiter. Die Unglücklichen fühlen, daß sie in unserer Gewalt stehen, sie sind durch unsere Bedrückung ängstlich geworden, sie wissen, wie wenig die christliche Liebe sich aus Ungerechtigkeit und Unmenschlichkeit macht; sie wagen keine Äußerung, weil sie nicht wollen, daß man laut über Gotteslästerung schreie. Die Habsucht stachelt uns auf, und sie sind zu reich, um nicht unrecht zu haben. Die Gelehrtesten und Aufgeklärtesten unter ihnen sind immer die Vorsichtigsten. Diese Gelehrten werden über eure Torheit lächeln, wenn es euch noch ger lingt, über ein par Unwissende und Feige zu triumphieren, ein par Elende zu bekehren, die über ihre Glaubensgemeinschaft schlecht reden, um euch zu schmeicheln. Aber glaubt ihr, an Orten, wo sie sich sicher fühlen, so leichten Kaufs mit ihnen fertig zu werden? Bei den Doktoren der Sorbonne beziehen sich die Messias-Voraussetzungen selbstverständlich auf Jesus Christus, bei den Rabbinen in Amsterdam haben sie ebenso selbstverständlich nicht die geringste Beziehung auf i h n. Erst dann werde ich glauben, die Gründe der Juden recht verstanden zu haben, wenn sie einen freien Staat, Schulen und Universitäten haben, wo sie ohne Gefahr reden und disputieren können. Dann erst werden wir erfahren können, was sie zu sagen haben«1). Leider haben wir nur geringe Aussicht, in absehbarer Zeit für unsere Religion diejenige Stellung zu erreichen, die Rousseau schon vor so langer Zeit als eine Forderung der Gerechtigkeit bezeichnet hat. Mit Beschämung muß es uns erfüllen, daß wir in einem Kultur- und Rechtsstaat, unsere staatsbürgerliche *) E. v. Satlw&rk, Bd. 2, 4. Bucb, S. 141. F. Brockerhoff, J. J־ Rousseau, s. Leben u. s. Werke (Glaubensbekenntnis d. franz. Vikars) Band 111, S. 61.

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