Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Jean Jacques Rousseau und das Judentum
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 649 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Jean Jacques Rousseau und das Judentum. 649 und Literatur-Gesellschaft seiner Zeit, kein kranker Barbar, sondern ein wahr, richtig und fein empfindender Mensch, der all die sozialen Schutzwehren für sich gehabt haben sollte, die den Glücklichsten der Sterblichen zuteil werden. Statt dessen ging sein Weg durch alle Tiefen. Aber nur so konnte auch die Glut seines Herzens voll entfacht und in die Welt getragen werden.« Die ' »Deutsch - Sozialen Blätter«, die einen Auszug des Bartelsschen Werkes unter der Überschrift »DasRätsel Rousseau s« am 27. Juni veröffentlicht haben, gaben diese Sätze vollinhaltlich wieder, was insofern auffallend ist, als die dem großen Philanthropen gezollte Anerkennung doch zugleich einem der größten Romantiker gilt, in dessen Fußstapfen Heinrich Heine wandelte, den Adolf Bartels beständig begeifert. Von Pierre Laserre stammt der Ausspruch: »In der Romantik gibt es nichts, was nicht von Rousseau herrührt, in diesem nichts, was nicht zur Romantik gehört«1). In demselben Band der »Annalen«, in denen dieser Ausspruch registriert steht, findet sich auch ein Hinweis darauf, daß Jean Pauls »Levana« wesentlich von Rousseauschen Anschauungen durchweht ist. Aber es wäre ein vergebliches Bemühen der Antisemiten, den französischen Aufklärungs-Philosophen für ihre mit der Aufklärung völlig im Widerspruch stehende, nur Verdummung und Verrohung der Volksmassen erzeugende und dadurch die Ziele aller Dunkelmänner fördernde Parteisache in Anspruch zu nehmen. Aus den Briefen Rousseaus »de la montagne«, die der Geschichtsschreiber Schlosser mit den »Juniusbriefen« vergleicht, seien nachstehende Sätze wörtlich wiedergegeben, weil sie den a n t i-a n t isemitischen Standpunkt Rousseaus, der für uns als Juden gewiß von Bedeutung ist, deutlich kenn- Zeichnern Er sagt von seinen eigenen Werken: »Weit ent- *) Annales de la »Scciete Jean Jacques Rousseau«, T. 7 (1911), S. 17.