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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 6 · p. Seite 647

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 6
Article
Jean Jacques Rousseau und das Judentum
Date
1912-01-01
Page
Seite 647 (sequence 7)
Language
German
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Jean Jacques Rousseau und das Judentum. 647 Menschenfreund Chr. Wilhelm Dohm dazu anregten, in Preußen »die bürgerliche Verbesserung der Juden« auf dem Wege zu empfehlen, daß man sie aus den engen Judengassen befreien und auf dem Lande als nützliche Ackerbau treibende Staatsbürger verbreiten solle. Wenn auch nicht völlig in dieser Weise vorgegangen worden ist, blieb dieser Vorschlag doch nicht unbeachtet, sondern bildete in Preußen die Vorstufe zu der späteren Juden-Emanzipation. Was wir Juden in dieser Beziehung dem Schöpfer des großen Humanitäts-Dramas »Nathan der Weise« verdanken, ist so bekannt, daß es kaum hervorgehoben zu werden braucht, aber minder bekannt, daß Lessing schon im Jahre 1755 in einer Besprechung der Rousseauschen Schrift »Über den Ursprung und die Ursachen der Ungleichheit unter den Menschen« erklärte: »Er ist überall der kühne Weltweise, der keine noch so allgemein gebilligten Vorurteile ansieht, sondern geraden Wegs auf die Wahrheit zugeht, ohne sich um die Scheinwahrheiten, die er bei jedem Schritt aufopfern muß, zu bekümmern. Sein Herz hat dabei an allen seinen spekulativen Betrachtungen Anteil genommen, und er spricht folglich aus einem ganz anderen Ton als ein feiler Sophist zu sprechen pflegt, welchen Eigennutz oder Prahlerei zum Lehrer der Weisheit gemacht haben.« Im »Nathan« hat Les sing nicht den Juden auf Kosten des Christentums verherrlicht, sondern den von Vorurteil unbestochenen Idealmenschen Rousseaus, von dem dieser in der Einleitung zu den »Discours sur l’inegaliteparmi les hommes« gesagt hatte: »Die nützlichste und die am wenigsten vorgeschrittene aller menschlichen Kenntnisse scheint mir die Kenntnis des Menschen. Die bloße Inschrift des Delphischen Tempels enthält eine wichtigere und schwerere Lehre als das dickste Buch der Moralisten«1). Nicht minder berechtigt scheint die Annahme *) »Freimaurer-Zeitung«, Nr. 21 von 21. Mai 1870 (»J.J. Rousseau«, Vortrag von Alphonse Levy).

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