Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 5
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 634 (sequence 4)
- Language
- German
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634 Besprechungen. obachtungen über die formelhaften Wendungen. ,Ev&dcSs x.st׳rat findet sich seit dem 2., sv stpviVT) xo£a7}<71$ sct^, seit dem 3. Jahrhundert, stcoEyios xt>., früher als die Schlussformel (S. 96 ff.). Ein Novum sind die fünf hebräischen Inschriften, die leider nicht abgedruckt sind. Müller führt sie wohl mit Recht auf die Zugehörigkeit zur Gemeinde der Hebräer zurück, die gerade in dieser Katakombe inschriftlich bezeugt ist (S. 95). Unrichtig ist es aber, wenn er aus den hebräischen Inschriften und aus dem selteneren Vorkommen von Bilderschmuck in der Katakombe am Monteverde zwischen den Be« nutzem dieser Begräbnisstätte und den Benutzern der Katakombe in der vigna Randanini den Gegensatz zwischen Konservativen und Fortschrittlern konstruiert (3. 89 ff). Er trägt damit moderne Begriffe und Gegensätze in das Altertum hinein und setzt sich zum Teil mit seinen eigenen Darlegungen in Widerspruch. Er selbst weist auf die verschiedeue Entstehungszeit hin (S. 92), und zeigt an den Inschriften am Monteverde, daß in der Synagoge der Hebräer das Hebräische allmählich durch das Griechische verdrängt wurde (S. 110). Das Vorkommen eines Kindergrabes mit dem Porträt des Verstorbenen in der Monteverdekatakombe (S. 40) läßt er dabei ganz unberücksichtigt. Auch ist nicht zuzugeben, daß schon der Name der Gemeinde der Herodier in der Randaninikatakombe ein Programm bedeute (S. 90). Was die Gemeinde der Hebräer betrifft, so scheint mir meine Deutung1) auch heute noch die zutreffende zu sein. Im Altertum wie im Mittelalter und bis in die neuere Zeit herein nannten sich die einzelnen Synagogenvereinigungen vielfach nach der Heimat, aus der ihre Mitglieder eingewandert waren. In der bekannten Stelle der Apostelgeschichte werden die Synagogen der Libertiner (d. i. der römischen Juden), der Kyrenäer, Alexandriner, Kilikier. und Kleinasiaten in Jerusalem erwähnt. Die Gemeinde der Hebräer ist eben die Gemeinde der aus Judäa stammenden Juden, die das Bewußtsein der judäischen Heimat festhielten. Müller selbst bringt den durchaus zutreffenden Vergleich der protestantischen französischen Gemeinden in Deutschland. Wie diese ihre heimatliche Muttersprache festgehalten haben, so hat auch die Gemeinde der Hebräer in Rom das Hebräische lange bewahrt, um schließlich ebenso wie die französischen Gemeinden dem Einfluß der Umgegend zu erliegen (S. 110). Damit steht durchaus im Einklang die einleuchtende Vermutung, daß diese Gemeinde nicht eine Lokal-, sondern eine Personalgemeinde gewesen sei (S. 111). In einem Punkte muß ich allerdings meine frühere Meinung korrigieren. Die Synagoge der Hebräer ist nicht jüngeren Ursprungs, sondern 1) Geschichte der Juden in Rom I 40.