Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 5 · p. Seite 633

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 5
Article
[Rezension]
Date
1912-01-01
Page
Seite 633 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2829132-2829843-2829849-2891737--39935-2891875
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Besprechungen. 633 halbes Jahrtausend umfassende Benutzung macht es bereits erklärlich, daß die Katakombe am Monteverde durch ihren architektonischen Reichtum alle anderen jüdischen und christlichen Katakomben Roms in den Schatten stellt. Sie bietet elf verschiedene Gräbtypen, darunter solche, die sich In anderen Katakomben nicht finden. So steht sie mit den aufgemauerten Särgen und besonders mit den in mehreren Reihen angeordneten Sarkophagen wahrscheinlich einzig in der ganzen antiken Sepuikralarchitektur. Das Vorkommen der Tonsärge und der in den jüdischen Begräbnisstätten Italiens bisher nicht auf gefundenen Tonkrugsärge sowie eines auf dem Fußboden auf gemauerten Sarkophags mit vorkragenden Zicgelplatten an der Innenseite, sodaß die Beisetzung mehrerer Leichen übereinander möglich war, ist bemerkenswert. Manche Leichen sind auf dem bloßen Fußboden beigesetzt. Von Holzsärgen findet sich keine Spur, allerdings auch nicht von Leichenkleidern, an deren Verwendung freilich nicht za zweifeln ist. Ausführlich handelt Müller über Leichenbeigaben und Schmuck der Grabstätten. Seine Vermutung, daß die Aufstellung von Lampen zu Häupten der Toten dem jüdischen Brauche entspreche, im Hause zu Häupten der aufgebahrten Leiche Licht zu brennen, (S. 54) scheint mir verfehlt zu sein, Das Vorkommen des Christusmonogramms auf drei Lampen möchte ich auf die auch sonst beobachtete Nachlässigkeit oder auf die Benutzung von Leichenbeigaben zurückführen, die christlichen Grabstätten entnommen sind. Müller selbst bringt mehrere Belege dafür, daß auch die Juden ohne viele Skrupel alte Grabschriften benutzten, um auf der Rückseite eine netie Grabschrift anzubringen, oder um Sarkophage, Grabverschlüsse u. dgl. aufzumauern. In der Monteverdekatakombe sind 191 Inschriften gefunden worden, d. h, diese eine Katakombe enthält annähernd ebenso viele jüdische Inschriften, wie bisher in Rom überhaupt gefunden worden sind. 83 Inschriften zeigen Bilderschmuck, weitaus am häufigsten den siebenarmigen Leuchter oder andere auf den Tempeldienst bezügliche Darstellungen. Die Sprache der älteren Inschriften ist, von vereinzelten Ausnahmen abgesehen — die bereits erwähnte Inschrift der Maecier ist in lateinischer Sprache abgesetzt —־ griechisch, später überwiegt das Lateinische. Mit dieser Entwicklung stimmt der Werdegang der jüdischen Kultur in Italien überein. Der entscheidende Sieg des Lateinischen ist nach Müller nicht vor dem 4. Jahrhundert anzunehmen. Mit Recht sieht der Verfasser in dem Vorkommen lateinischer In- Schriften in griechischen Leitern ein Zeichen des Ringens beider Spraeben (S. 93). Sehr wertvoll sind seine sorgfältigen und feinen Be-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.