Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 5
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 632 (sequence 2)
- Language
- German
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632 Besprechungen. Prof. Nikolaus Möller, der verdienstvolle Forscher auf dem Gebiete des jüdischen ßegräbiiiswesens im abendländischen Altertum hat unmittelbar nach der Auffindung der Katakombe ihre Durchforschung begonnen und zum Teil mit Unterstützung der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums tatkräftig weitergeführf. Bedauerlicher Weise ist die anfänglich durch die Besitzer des Grund- Stücks und die italienischen Behörden geförderte Ausgrabungsarbeit seit 1907 gehindert worden. So isi wertvolles wissenschaftliches Material vorläufig noch nicht gehoben. Müller selbst hat sich schließlich dazu verstanden, die Ergebnisse seiner noch unvollständigen Forschung in vorliegendem Buche zu veröffentlichen. Das Werk enthält eine Fülle wertvoller Mitteilungen, und, sollte auch die weitere Ausgrabungsarbeit manche Ergänzungen und Berichtigungen bringen, so bleibt die bereits jetzt gewonnene Ausbeute von dauerndem Wert. Nach einer einleitenden Übersicht über das Judentum im alten Rom, gibt das Buch in vier Kapiteln Aufschluß über Entdeckung und Erforschung, über Topographie und Architektur . der Katakombe, über die Ausstattung der Gräber, sowie über Benutzer und Benutzungszeit. Ein Anhang bringt die Wiedergabe von 12 Inschriften in Abbildung mit Umschrift und Erläuterungen. Das umfangreichste, die Hälfte des ganzen Buches füllende Kapitel ist das dritte, das über Leichen und Leichenbeigaben, über die Außenseite der Gräber, Merk- und Erkennungszeichen und die Inschriften handelt. Material und Technik, Flächengliederung und Bildwerk, Schrift, Sprache und Fassung und der Inhalt der Texte werden besprochen. Schon die kurze Skizzierung des Inhalts läßt die Fülle und Vielseitigkeit des sorgfältig bearbeiteten Materials wie die für die Bearbeitung maßgebenden Gesichtspunkte erkennen. Ref. muß sich darauf beschränken, weniges herauszuheben und zu einigen Punkten seine abweichende Ansicht zu äußern. Die Katakombe ist die älteste bisher aufgefundene jüdische Begräbnisstätte nicht nur in Rom, sondern im ganzen Abendlande. Die von L. Maecius seiner Frau und seinen Kindern errichtete Inschrift setzt Müller aus paläographischen Gründen in das erste nachchristliche Jahrhundert. Aber die Begräbnisstätte ist Jahrhunderte im Gebrauch gewesen. Von den Stempeln auf den Ziegeln weisen einige auf die Zeit Diokletians, eine Kupfermünze Constantins Ih führt bis in die Mitte des vierten Jahrhunderts, und nach Angabe des Verfassers reicht die Benutzung bis ins 5. Jahrhundert. Nach dieser Zeit begrub man die Toten auf dem zu dieser Begräbnissätte gehörigen oberirdischen Friedhof, über den das Buch allerdings nichts berichtet. Diese etwa ein