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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 5 · p. Seite 620

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 5
Article
Die Juden in der Marienlegende
Date
1912-01-01
Page
Seite 620 (sequence 9)
Language
German
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620 Die Juden in der Marienlegende. Das antisemitische »Deutsche Volksblatt« in München will an Ort und Stelle Erkundigungen eingezogen und f01gende Schandtaten der Juden in Erfahrung gebracht haben: »Die Stimmung der Bevölkerung entspricht vollkommen dem, was der »Tiroler« geschrieben hat; das Treiben in dem Hotel wurde van den Leuten ganz allgemein als ein jeder Sitte hohnsprechendes bezeichnet. Ein Angestellter des Hotels, den ich sprach, bestätigte mir das Gehörte und meinte: der Karersee liegt im reinsten Paradies, das Hotel könnte man aber recht gut als ein zweites Sodom und Gomorrha bezeichnen, um bei biblischen Vergleichen zu bleiben. Im Hotel habe alles geh .. . und zur Bestätigung zeigte er mir auf dem Brandplatze dort und da zerstreut, buch - stäblich Hunderte von gewissen Gummiartikeln und deutete an, daß auch Leute, deren perverse sexuelle Exzesse im Deutschen Reiche unter Umständen nach § 175 des: RStGB. geahndet würden, dort ihr Unwesen trieben. »Wenn er sprechen dürfte«, meinte der Mann, könnte er vieles sägen. Weiter war aus ihm auch nichts herauszubekommen, aber andere Leute bestätigten mir, daß es sich bei den erwähnten Umzügen tatsächlich nicht um »scherzhafte Aufzöge«, sondern um eine schamlose jüdische Verhöhnung christlicher Kultusgebräuche, insbesondere der Marienverehrung, handelte«. Das Blatt zieht daraus folgenden Schluß: »Der Teufel soil den Fremdenverkehr holen, wenn er nur dazu dient, ganze Gegenden zu versauen und reichen jüdischen Frechlingen beiderlei Ge״ schlechts Gelegenheit zu bieten, mit der unbehinderten. Befriedigung ihrer Gelüste dem Hasse gegen das Christentum Ausdruck zu geben«. Dagegen stellten die »Münchener Neuesten Nachrichten « fest, daß die Behauptung, Fremde hätten am Karersee eine! .Spottprozession abgehaiten, frei erfunden sei.

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