Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Juden in der Marienlegende
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 618 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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■618 Di? Juden in der Marienlegende. Obwohl kein historischer Vorgang für die Entstehung der Sage nachgewiesen werden konnte, so haben wir doch in der ג Entehrung und Schmach« ein so interessantes Dokument der litterarischen Fehde, daß es auch vqn diesem Standpunkt aus von Wert ist, daß Klassert die alte gcleinp Schrift, von der nur noch wenige Exemplare1) nachweisbar sind, neu gedruckt hat Sie ist ein Teil jener judenfeindlichen Litteratur, die mit Pfefferkorns Auftreten in engem Zusammenhange steht, und sie hat in breiteren Volksschichten sicher nicht geringeren Haß gegen die Juden geweckt, als das durch die Schriften dieses seinem Stamme ungetreuen Juden geschehen ist. ln diesem Zusammenhänge betrachtet; gewinnt die kleine Schrift an historischem Interesse, und dies besonders auch deshalb, weil auch Johann Eck jn seiner ^Schrift gegen die Juden seine Abhängigkeit von ihr beweist* *). Die Mariehlegende schafft und dichtet in katholischen Ländern noch immer fort. Es ist nicht nötig, auf dieWiirtdergeschichten von Loüfdes und andern Gnadenörteh hinzuweisen. In jedem Jahre und in allen katholischen Ländern geschehen noch heute Marienwunder, die freilich meistens unbeachtet vorübergeheh, zum Teil sogar von offizieller katholischer Seite in ihrer Authentizität nicht anerkannt werden. Das wesentliche ist, daß der Quell, aus dem die Marienlegenden schöpfen, noch keineswegs versiegt ist, und daß es daher nicht verwunderlich sein kann, Wenn auch jetzt hoch der Jude dieselbe oder eine ähnliche Rolle in der Marienlegende wie im Mittelalter spielt. Die jüngste Marienlegende, die mir bekannt geworden ist* und die von Juden handelt, knüpft an den Brand des Kürhöteis ans karersed ah, das am 15. August 1910, also an! Assump- J) In der Kgl. Bibi, zu Berlin und in der Straßburger Universitäts- und Landesbibi, •) Johann Eck: Ains Judenbuechiein. 1541, ׳, :