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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 5 · p. Seite 616

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 5
Article
Die Juden in der Marienlegende
Date
1912-01-01
Page
Seite 616 (sequence 5)
Language
German
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616 Die Juden in der Marienlegende. genbach von der »Entehrung und Schmach« in der Erzählung der Hennegauischen Geschichte vollständig abhängig ist Er hat nur Worte und Reime gewechselt und geändert. Der Ausgangspunkt beider ist jedenfalls das Gemälde, das Kaiser Maximilian nach dem Cambroner Original in Kolmar über den vermeintlichen Vorgang hat malen und aufstellen lassen. Der wesentliche Unterschied der beiden Gedichte gegenüber der älteren Legende liegt darin, daß dort von fünf Juden die Rede ist, während die Legende nur von einem sprach, der noch dazu sich früher hatte taufen lassen, wenn auch ohne Überzeugung. Aber daß die ursprüngliche Form von einem einzigen Missetäter allein redete, wirkt auch darin noch durchaus nach, daß ebensowohl bei Gengenbach, wie in der »Entehrung und Schmach« nur im Anfänge die fünf schnöden Juden eine Rolle spielen und nachher einfach vergessen werden. Man klagt nur den einen Juden an, man inquiriert nur den einen Juden und man straft nur den einen. Die andern, der ursprünglichen Legende hinzugefügten vier Juden, die doch mitschuldig und zum mindesten Zeugen sein müßten, sind völlig vergessen. Sie sind eben nichts weiter als eine spätere dichterische Füllung, die in die urspüngliche Legende von einem getauften Juden gar nicht hineinpaßten. Der Umänderung eines getauften Juden in einen nicht getauften entspricht es, daß in der »Entehrung und Schmach« der das Bild stechende Jude ebenso wie seine Spießgesellen den Judenfleck auf dem Obergewande über dem Herzen zeigen, an dem man die Frankfurter Juden auf dem Holzschnitt über die Plünderung der Frankfurter Judengasse erkennt. Es war ein gelbes Ringlein. Außerdem habdrt die Juden die charakteristischen Judenhüte. Auf dem Holzschnitt .!auf Seite 29 »Wie der schmydt dem Grauen die. vbeldadten klagte von den falschen Juden« hat der Jude außer dem Judenfleck auch den Judenhut auf dem Kopfe, wie wir ihn so oft sehen, mit dem lang herabhängenden.

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