Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Eine talmudische Studie über Wiederholung des Gebets und Ersatzgebete
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 592 (sequence 12)
- Language
- German
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Eine talmudische Studie über Wiederholung 592 Zusagen: האידנא sin unserer Zeit aber« muß wegen Mange! an Andacht das Gebet nicht nochmals gesprochen werden, da ja auch sie ein Gebet ohne Andacht für nichts hielten und gleichfalls der Meinung waren, daß man mit einem andachtslosen Gebet seiner Pflicht nicht ent- «prochen habe, zumal eine Wiederholung in solchem Falle nach b. Berachot 34 b unerläßlich ist? Allein man muß sich fragen : wie ist man auf den Gedanken gekommen, das Gebet, das doch in erster Reihe eine Herzenssache ist, müsse wiederholt werden, wenn man es ohne Andacht gesprochen hat, oder es müsse ersetzt werden, falls man es vergessen hat? Wann hat man angefangen, den Gedanken von ההר ומתפלל mit allem Nachdruck zu betonen? Diesem Gedanken liegt offenbar die Anschauung zu Grunde, daß das tägliche Beten eine Verpflichtung sei, die, gleichviel ob biblisch oder rabbinisch, in vorschriftsmäßiger Weise, zur bestimmten Zeit und mit der erforderlichen Andacht erfüllt werden muß, und daß derjenige, der dieser Pflicht nicht entsprochen hat, einen Ersatz dafür zu bieten, beziehungsweise nochmals in gehöriger Weise zu beten hat. Mit dieser Anschauung hat sich die weitere verbunden, התפיחה היא במקום קרבן, das Gebet habe das ehemalige Opfer zu vertreten und sei wie dieses wertlos, wenn es nicht zur Zeit und mit der nötigen Gedankensammlung verrichtet wird (vergl. Tur Orach-Chajjim Kap. 98: ולכך צריך ליזהר שתהא דוגמת הקרבן בכוונה usw.). Diese Anschauung von der Gesetzlichkeit und dem Opfercharakter des Gebetes hat man erst, wie es scheint, in der Zeit der ersten Amoräer mit allem Nachdrucke zu betonen angefangen. Ihre ersten Vertreter waren R. J o c haman und seine un m i tt elb a r e n S c h ü 1 er. Die -Mischnah dagegen hat das Beten, wie bereits oben erwähnt, bei aller Anerkennung seines Opfercharakters, doch vornehmlich für eine Herzenssache gehalten und will