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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 5 · p. Seite 589

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 5
Article
Eine talmudische Studie über Wiederholung des Gebets und Ersatzgebete
Date
1912-01-01
Page
Seite 589 (sequence 9)
Language
German
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des Gebets und Ersatzgebete. 589 Lehrer, R. Jösua ben Levi, ist dagegen der Meinung, der Mensch betet, nicht weil er will, nicht weil sein Herz ihn dazu antreibt, sondern weil er beten muß, weil es ihm die Religion zur Pflicht macht. Nachdem nun der Talmud a. o. St. Beweise für die Ansicht des einen wie des anderen Lehrers gebracht hat, nimmt er am Schluß der Erörterung eine vermittelnde Stellung zu der Frage ein und sagt : תפלות אבות תקנום ואסטכינהו רבנן אקרבנות. »Die Stammväter haben die Gebete angeordnet, aber die Rabbinen haben der Einrichtung eine Stütze gegeben in dem Opferwesen«, d. h. mit anderen Worten: Das Gebet ist als Herzenssache uralt, aber zu einer geordneten Einrichtung in Beziehung auf Zeit und Wortlaut ist es geworden erst dadurch, daß man es zu einem Religionsgebot gemacht und als Ersatz für die ehemaligen Opfer anzusehen hat. Wie es scheint, hat es lange gedauert, bis selbst das 18-Gebet für ein tägliches Pflichtgebet gehalten wurde. Dies beweist der Bericht in b. Megiilah 17b: R. Jochanan sagt: קיב זקנים ובהם כמה נביאים תיקנו י״ח ברכות על הסדר, »die 120 Ältesten, worunter einige Propheten waren, haben das 18-Gebet der Ordnung nach festgesetzt«; ähnlich lautet der Bericht in b. Berachot 33 a: die Männer der großen Synagoge haben ברכות ותפלות angeordnet. Kurz zuvor aber heißt es in Megiilah daselbst, das 18-Gebet sei vor Gamiiel II in Jabneh durch Simeon geordnet worden. Der offenbare Widerspruch in diesen Berichten veranlaßt den Talmud zu der Frage: Nachdem schon die große Synagoge das 18-Gebet festgesetzt hat, was hatte jener Simeon daran weiter zu ordnen? Worauf der Talmud antwortet: שכחום וחזר ויסדום da die alte Festsetzung in Vergessenheit geraten war, so habe Simeon sie von neuem geordnet. Die alte Ordnung des 18־Gebets hätte aber doch wohl nicht in Vergessenheit geraten können, wenn man sie täglich als Pflichtgebet verrichtet hätte! Ja, selbst zur Zeit

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