Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Eine talmudische Studie über Wiederholung des Gebets und Ersatzgebete
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 588 (sequence 8)
- Language
- German
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588 Eise lalmtidische Studie über Wiederholung weil das Gebet nur rabbinisches Gebot und bei rabbrnisehen Geboten eine Wiederholung im Zweifelsfalle nicht erforderlich äst. Wenn ferner, wie Maimonides selbst zugibt, die Zeit des täglichen Gebets nicht von der Bibel vorgeschrieben ist, so ist die Frage, wie denn das biblische Gebot überhaupt zu erfüllen sei? »Hat man einmal im Jahre oder auch nur einmal im ganzen Leben zu beten?« Die Spuren verschiedener Anschauungen hinsichtlich der Verpflichtung des Betens reichen aber viel weiter zurück und finden sich nachweisbar in der Mischnah wie im ganzen rabbänischen Schrifttum. Im Midrasch Tanchuma zu 5. M. Kap. 18. wird das täglich 3malige Gebet als eine Anordnung des Mose bezeichnet. Daselbst heißt es: Mose habe im Geiste vorausgesehen, daß das Heiiigium einst zerstört werden würde und die Erstlängsopfer in Wegfall kommen werden עמד והתקין להם לישראל שיהו מתפללין גי פעמים בכל יום שחביבה תפלה לפני הקב״ה ממאה מעשים טובים da habe er angeordnet, täglich dreimal zu beten, denn das Gebet äst Gott angenehmer als hundert gute Werke (Ausg. Buber S. 45). Manche gehen noch weiter und halten die Stammväter für diejenigen, welche das tägliche Beten eingerichtet haben. Berachot 36 b wird berichtet: R. Jose b. Chanäna habe gelehrt: תפלות אבות תקנום die Stammväter haben die Gebete festgesetzt; R. josua ben Levi dagegen sagt: תפלות כנגד תטירין תקנום die Männer der großen Synagoge haben die Gebete als Ersatz für die täglichen Gemeindeopfer angeordnet. Der erstgenannte Lehrer wäll offenbar nichts anderes sagen, als daß das Gebet eine alte Einrichtung sei, die bereits die Stammväter gekannt haben, daß die ersten Menschen, die eine richtige Anschauung von der Größe und Erhabenheit Gottes hatten, zu ihm beteten im Bewußtsein von der Unzulänglichkeit menschlicher Kraft. Das Gebet ist Herzenssache, und der Mensch, der an Gott glaubt, muß beten, nicht weil es ein Religionsgebot ist, sondern weil es Herzensbedürfnis ist. Der zweitgenannte