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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 5 · p. Seite 586

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 5
Article
Eine talmudische Studie über Wiederholung des Gebets und Ersatzgebete
Date
1912-01-01
Page
Seite 586 (sequence 6)
Language
German
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'586 Eine talmudische Studie über Wiederholung im Tur Orach Chajjim, Kap. 98: *Beten erfordert Andacht; die Worte, die man mit den Läppen ausspricht, muß man richtig verstehen und sich vor Augen halten, daß man vor der göttlichen Majestät steht. Man muß die Gedanken sammein und alles Störende von sich weisen, so daß Herz und Sinn rein sei beim Beten. Man bedenke, wie geordnet und wohl überlegt die Bitten einem sterblichen Herrscher vorgetragen werden, und wie alles vermieden wird, was irgendwie Anstoß erregen könnte, um wie viel mehr muß man seine Gedanken sammeln, wenn man vor Gott steht und zu ihm betet, denn vor ihm ist der Gedanke wie das Wort, da er ja alle Gedanken weiß. So haben die Frommen stets getan. Sie haben die Einsamkeit aufgesucht und waren beim Beten so andächtig, daß sie die sinnlichen Triebe zum Schweigen brachten und die geistigen Kräfte in sich stärkten etwa in der Weise, wie dies bei den Propheten war«. Man sage nicht, :das sind Worte eines überspannten Menschen, der asketische oder ekstatische Forderungen stellt. Das sind vielmehr Worte eines kindlich frommen Gemüts, das in dem Gebet eine heiligende Kraft erblickt, die den Menschen auf jene Höhe führt, auf der die Seele mit ihrem Gott allein ist und alle innere Unruhe überwunden hat. II. Das Gebet ist, obgleich Herzenssache, doch auch biblische oder zum mindesten rabbinische Pflicht. Obgleich man aber seit den ältesten Zeiten in dem Gebete eine Herzensangelegenheit erblickte und demgemäß die Andacht beim Beten mit allem Nachdruck betonte, hat man doch andererseits das Beten für eine Pflicht angesehen, die angeordnet wurde, nach den einen von der Bibel selbst, nach den andern von den Rabbinen. Man wird aber fragen: Wie kann man etwas gebieten, was lediglich, •Sache des Herzens und freier Erguß der Seele ist? Doch

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