Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Eine unbekannte jüdische Sekte
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 551 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829843-2829849-2891730--39846-2891793- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Eine unbekannte jüdische Sekte. 55! und es ist sogar möglich, daß das Verbot, Almosen von Nichtjuden anzunehmen, eine von den berühmten »achtzehn Verordnungen« ist, die die Schammaiten gegen den Protest der Hilleliten erzwangen1). Ob nun auch die Annähme von Gaben und Opfern für den Tempel hier verboten wird, ist fraglich. Die Pharisäer waren in dieser Hinsicht sehr tolerant; vgl. ausführlicher darüber, Lerner bei Berliner-Hoffmann, Magazin IX, 121, dem freilich die sehr interessante Stelle Pesikta R. 192 a entgangen ist. Aus dieser Steile geht hervor, daß nach der Zerstörung des Tempels, als die ganze Frage nur theoretischen Wert hatte, eine viel schroffere Ansicht zur Geltung kam. 12, 8: בעצת חכור ישראל« Es liegt keine Veranlassung vor, ein Masculin ח2יר anzunehmen, da חמר unseres Textes ganz gut für das häufig in der rabbinischen Literatur vorkommende חמרה stehen kann, das ה am Ende ist nämlich bei diesem Worte wie bei vielen anderen in unserem Fragm. zu ergänzen. Natürlich bedeutet חבורה hier nicht einfach Versammlung, sondern hoher Rat, in welcher Bedeutung dieses Wort auch im Talmud und im Midrasch vorkommP1). Die oben von mir zu אל ישא מהונם gegebene Erklärung gewinnt dadurch an Wahrscheinlichkeit. Der hohe Rat der Sekte kann unter ist als Zeuge disqualifiziert, Sanhedrin 26b, nach der Erklärung R. Chananels, Raschis und des Arucb s. v. לכר. *) Jer. Sabbat I, 3 c; Graetz, Geschichte III, 807, bemerkt: »die Unwahrscheinlichkeit dieser Erläuterung ist augenfällig«, ohne aber zu sagen warum, und seine Erklärung zu ].מחנותיו ist sicher unhaltbar,, wie ich in meinen Noten zum Jeruschalmi nachgewiesen habe. Übrigens ist sowohl ihm wie Lerner a. a. 0.123 die Toseftä, So'tah X1V, 10 entgangen, woraus ganz deutlich das hohe Alter dieses Verbotes hervorgeh* *. *) Vgl. Halevy, Dorot ha-Rischonim II, 42, 45 über die חמרה als den hohen Rat unter der Leitung des Naßi und vgl. ferner Lev. r. II Ende. Schir ha-Schir. r. zu 7, 14 wo von der חבורה des Mose und anderer großer Führer die Rede ist; für ר* מאיר ist wohl ר׳ גמליאל zu lesen, da nur Könige, Richter und Patriarchen hier genannt werde».