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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 5 · p. Seite 543

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 5
Article
Siegfried Kapper als Ghettodichter
Date
1912-01-01
Page
Seite 543 (sequence 31)
Language
German
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IRI
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Siegfried Kapper als Ohettodicbter. 543 irgend eine Ecke wird zum Paiaste und ein paar Schritte zu einer Reise. Solcher Karnevalspossen, die für das Purimfest bestimmt sind, hat die jüdisch-deutsche Literatur mehrere. Die älteste Komödie dieser Art ist »Die Verkaufung Josefs«, welche 1710 in Frankfurt a. M. von jüdischen Studenten (Bachurim) aus Prag und Hamburg mit außerordentlichem Aufwand von Dekorationen, Maschinerien und sonstigen szenischen Effekten aufgeführt wurde1). Ein zweites Stück dieser Gattung ist das Ahasverusspiel. Es ist so obszön, daß der Vorstand der Frankfurter Gemeinde die Aufführung des Stückes verbieten und die gedruckten Exemplare verbrennen ließ. Kapper erwähnt in seinen Anmerkungen zum »Ahasverus« ein gleichnamiges Stück, das Schudt in seinen »Merkwürdigkeiten« 1714 mitgeteilt hat und welches durch seine Derbheit und Laszivität hervorragt. Da sich darin viele slavische Worte befinden, so ist anzunehmen, daß es nicht nur in Deutschland, sondern auch in Böhmen und Polen gespielt wurde. Es ist anzunehmen, daß das Frankfurter Ahasverusspiel und das von Schudt mitgeteilte in irgend einem Zusammenhange stehen*). Höher als die erwähnten Stücke stand das Spiel »Acta Ester mit Achaschwerosch«, welches zu Prag 1710 erschien und dort öfters von den Schülern des berühmten David Oppenheimer »auf einem ordentlichen Theatrum mit Trompeten und anderen Instrumenten« aufgeführt wurde. Schließlich werden eine »Aktion von König David und Goliath« und eine Geschichte von »Hamans Testament und Tod« als solche Purimscherze genannt1). Die Ghettosagen handeln (mit Ausnahme von »Falk« und »Der reiche Knaus«) in der Vorzeit des Prager Ghettos, in jener Zeit, wo die Juden noch nicht am rechten״ Mold au- *) Gustav Karpeles, Geschichte der jüdischen Literatur, II359. s) Über das von Joh. Jak. Schudt mitgeteilte Ahasverusspiel, siehe R. Schwartz, Esther im deutschen und neulateinischen Drama, S. 255.

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