Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Siegfried Kapper als Ghettodichter
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 540 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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540 Siegfried Kapper als Qhettodichter. Wie ich eben bin kummen vor dein Tor, Da is Mardochai, der Heid, gesessen davor; Anstatt was er sich hat sollen vor mir bucken, Hat er mir grün un gelb geschlagen mein Rucken. Also kunrni’ ich zu meinem Herrn Künig klagen, Er soll heißen die Jüden alle miteinand derschlagen; Denn Schelmstück treiben sie das ganze Jahr Un tun meinen Künig nur schaden fürwahr! Einen Rabbiner haben sie gehabt, war genannt Mosche, Das war von der ersten Klass* ein Rosche! Der hat ihnen geben ein Buch, heißt Thore, Darin steht geschrieben, jeder Jüd’ is ein Srore. Drum wenn sie sollen etwas arbeiten tun, Sagen sie, es is Schabbes, sie müssen ruh’n; Un wenn sie einen von uns kriegen, Machen sie sieh eine Mizwe draus, ihn zu betrügen. Eine Choge haben sie, da putzen sie das ganze Haus Un werfen unser Brot als treefe enaus; Dann haben sie eine, da tun sie alle Gärten verderben, Un stecken Bäum״ in ihre Stub’ un Strauß’ in ihre Scherben. Dann haben sie ein neues Jahr, da tun sie auf ein Horn blasen Als wollten sie jagen Hirschen und Hasen. Einen Tag haben sie, den heißen sie den langen, Der werd mit Fasten un Beten begangen, Da lassen sie sich verzeihen und vergeben Alles, was sie haben Böses getan ihr Leben. Dann reißen sie ab die Dächer von de Häuser Un legen darauf statt Schindel allerhand Reiser Ün tun drunter acht Tag essen un trinken, Daß es zwanzig Meilen weit tut; Drum werd es wol das Beste sein, Du laßt sie erschlagen insgemein!« Der König gibt Haman die Vollmacht, alle Juden töten zu lassen. »Dreizehn Tag im Marzi soll es geschehn, Daß man weiter in mein Land kein’ Jüden soll seh’n!« Haman sagt zu Mardochai, der gerade noch bei der Hand ist, voll Schadenfreude : »Nu, Reb Mordche, wie schmeckt Euch das?« Mardochai. »Also weh’ un ach zu dir! Dein Gebein soll man dir brechen, wie du mein jüdisch Herz brechst! Zer•