Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Siegfried Kapper als Ghettodichter
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 539 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Siegfried Kapper als Ghettodichter. 539 Und handl’ mit Zores Roeslein Daneben mit Knoppern un Kalles. Er drängt sich, indem er den bereits aufgetretenen Personen einige Grobheiten an den Kopf wirft, bis zum Könige vor und meldet ihm, daß er ihm eine schöne Jungfer gebracht hat: (singt) »Hat e Mäulele Wie e Fräalele; Hat e Näsele Wie e Rösele; Hat e Aeugele Wie e Feigele Un e Tätzele Wie e Kätzele!« Der König heißt Mardochai die Jungfer bringen, doch dieser will zuerst wissen, was er »Schadchones kriegt«. Nachdem ihm der König »Eia schön, goldgestickt Gewand Unter dem Thor Sitz und Stand Un noch allerhand« versprochen hatte, wird Esther »ereingesungen«. Sie gefällt dem König, und der Schreiber bekommt den Befehl, ihr die Krone aufs Haupt zu setzen. Haman aber bekommt fürs Ausrufen die Erlaubnis, jeden zu hängen, der sich vor ihm nicht bückt. Da führt ihn der erste Weg zu Mardochai, den er reizen will. Mardochai will sich vor Haman nicht bücken, sondern bearbeitet seinen Rücken mit tüchtigen Schlägen. Da schwört Haman Rache nicht nur Mardochai, sondern allen Juden. Er geht auch geradeswegs zum König und richtet schwere Anklage gegen Mardochai und die Juden. »Die Juden, die du tust leiden in deinem Land, In alle Schelmerei und Schlechtigkeit wohlbekannt! Zuvoraus aber Mardochai, der Jud״, Der nix, wie deine Befehl verspotten tüt. Denn die Welt bin ich gelaufen aus und ein, Un es hat sich vor mir gebückt groß und klein: