Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Siegfried Kapper als Ghettodichter
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 537 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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Siegfried Kapper als Ghettodichter. 537 sogar ganze Szenen durchspielend, den Kindern vorzuführen, ohne dabei zu vergessen, die Liedlein aus dem Spiele, an die er sich noch zu erinnern wußte, den Kindern vorzugeigen. Der Dichter hatte aber als Kind auch Gelegenheit, die ganze Komödie aufgeführt zu sehen. Sie wurde nämlich einmal am Purim in der Wohnung des Kultusvorstandes von jungen Leuten gespielt. Itzigel Fiedele mimte den Mardochai. Nach Jahrzehnten hatte Kapper Gelegenheit, mit dem einstmaligen Darsteller des Königs Ahasverus, der es von einem armen Trödlerjungen zu einem wohlhabenden Kaufmanne und Vorstände der jüdisehen Gemeinde gebracht hatte, zusammenzukommen. Sie gedachten der Vorstellung und mit ihr auch Itzigels, der inzwischen längst gestorben war. Der Darsteller des Ahasverus hatte das Heft, jtn welchem das Ahasverasspiel verzeichnet war, noch aufgehoben und machte es Kapper zum Geschenke, der es durch den Abdruck der Vergessenheit entrissen hat. Im folgenden sei der Inhalt der kunstlos aneinandergereihten Auftritte wiedergegeben, die in einem mit zahlreichen hebräischen Worten durchfiochtenen Jüdischdeutsch abgefaßt sind: Zunächst erscheint der Ansager, eine Art Prologus der die handelnden Personen ankündigt: »Mer wer’n spielen ein schön’ neu’ Spiel, Geheißen is es das Ahasverasspiel. Ein König werd kummen einher, Der hat seines Gleichen in der Welt nit mehr, Dann werd kummen eine Königin erein, Es werd ihres Gleichen auf Erden nit sein, Königin Esther werd se sein genannt Und befreien werd se de Jüden in ganzen Land.« Nachher bittet der Ansager, Bänke und Tische wegzuräumen, was auch gleich geschieht. Da kommen Haman mit dem Hassoch herein, beide stellen sich dem Publikum mit denselben Worten vor: (»Herr Haman bin ich genannt,