Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Siegfried Kapper als Ghettodichter
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 536 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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536 Siegfried Kapper als Ghettodichter. das Neujahrsfest, der Versöhnungstag und auch das Laubhüttenfest. Als das Simchas-Thorafest kam und Rabbi Baruch der Freude zu Hause und des Jubels im Tempel gedachte, da sank er kraftlos nieder auf den Stein, an den er angekettet war, und weinte laut, und der Mut seiner Duldung war gebrochen. Am nächsten Morgen sagte er dem Kerkermeister, er wolle Genenda ziehen lassen, wenn sie dem Manne des Truges folgen wolle. Er werde seinem Glauben anhängen, den Geboten Gottes nachgehen und wolle noch mit seiner Gemeinde das Fest der Gesetzesfreude feiern. Da löste der Kerkermeister seine Fessel und führte ihn vor den König, der ihn freisprach. Rabbi Baruch eilte vom Wyschehrad seinem Hause zu, wo er Genenda in der Laubhütte betend vorfand. Er sagte ihr, sie solle sich im Brautanzuge bereit halten, es werde ein Mann kommen, um sie als Frau heimzuführen. Dann eilte er in die Synagoge. In seiner Abwesenheit landete ein prächtig geschmücktes Schiff bei seinem Hause, und diesem entstieg David, welcher Genenda mit zärtlicher Rede aufs Schiff brachte. Dort trat Genenda an das Geländer, ließ, wie zufällig, den Ring, den sie einst von David genommen, ins Wasser fallen und beugte sich, als wollte sie ihn noch erhaschen, hinunter in die Fluten. Als Leiche wurde sie aus dem Strome herausgezogen und auf ein himmelblauseidenes Ruhebett in der Laubhütte gelegt. Rabbi Baruch trauerte um seine Genenda. Der Ritter wallfahrtete nach Rom, um dort Buße zu tun, und ging dann in ein Kloster. Seine Burg und seine Güter verkaufte er und verteilte das gelöste Geld unter die Armen Israels, daß sie am Sterbetage Genendas Gebete für das Heil ihrer Seele sprechen sollten. Schließlich ist noch das Fastnachtsspiel »A h a sverus« zu erwähnen. Kapper kannte das Ahasverusspiel aus seiner Kindheit. Der uns bereits bekannte Itzigel Fiedele pflegte die Historie von Esther und Mardochai halb erzählend, halb