Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Siegfried Kapper als Ghettodichter
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 535 (sequence 23)
- Language
- German
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Siegfried Kapper all Ghettodichter. 535 ihr Glück zu wünschen. Der Bräutigam aber blieb aus. Er schickte einen Boten mit einem Briete, in welchem stand, daß es ihm eines wichtigen und unaufschiebbaren Geschäftes wegen unmöglich war, am Freitag einzutreffen, und da er den Sabbat durch Reisen nicht entweihen wolle," so werde er Sonntag in der Frühe eintreffen, man solle sich jedoch nicht stören lassen und alles vorbereiten. Am bestimmten Hochzeitstage erschien er in heller, glänzender Rittertracht, begleitet von vielen Reitern. Als Rabbi Baruch sah, daß er einen christlichen Ritter vor sich habe, der nur zu einer List gegriffen hatte, und sich als Jude gab, um Genenda heimführen zu können, war er ganz erzürnt, stieß ihn fort und verweigerte ihm seine Tochter. Da zieh David den Rabbi Baruch" vor der versammelten Gemeinde des Eidbruches und der Gotteslästerung und ritt davon. Rabbi Baruch durfte von nun an nicht mehr Chassan sein und auch nicht mehr im Lande umherziehen, zu singen und zu spielen. Diesen Bann hatte er sich selbst auferlegt. Des Leides war aber noch nicht genug. Nach einiger Zeit wurde er vor den königlichen Richterstuhl auf der Burg Wyschehrad vorgeladen. Dort stand der junge Ritter als Kläger und verlangte sein Recht, wie es geschrieben war in der Schrift, die er vom Rabbi Baruch erhalten. Der König sprach dem Ritter das Recht zu und drohte dem Rabbi mit Kerkerhaft, wenn er dem Kläger die Tochter vorenthalte. Doch der Rabbi war nicht umzustimmen, und so wurde er in Fesseln gelegt und in den Kerker abgeführt. Den Ritter warnte der König, sich einer Gewalttat zu bedienen und Genenda zu rauben oder zu entführen. Täte er es dennoch, so habe er sich des Rechtes begeben, und das Mädchen wäre des Rabbi freie Tochter. So oft der Kerkermeister Brot und Wasser mittels einer Kette in das Gewölbe hinabgelassen hatte, fragte er den Rabbi, ob er seinen Entschluß zu ändern gesonnen sei. Doch der Rabbi blieb unbewegt. So verging ein Monat, so vergingen