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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 5 · p. Seite 534

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 5
Article
Siegfried Kapper als Ghettodichter
Date
1912-01-01
Page
Seite 534 (sequence 22)
Language
German
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534 Siegfried Kapper als Ghettodichter. abende eines jeden Sabbats und Festtages sich im Hause des Chassans einzufinden, um singen zu lernen; an Wochentagen aber wollte er im Lande herumziehen und Beschäftigung suchen. David bildete sich in wenigen Wochen zu einem vorzüglichen Sänger aus, und am Sabbat vor Peßach war der Meister von seinem Schüler so entzückt, daß er ihn umarmte und küßte. Genenda war aber so selig vor Freude, als hätte der Vater sie geküßt. Da kam die erste Peßachnacht. An Baruchs Seite saßen Genenda und David. Als die Verlesung der Haggadah beendet war, erhob sich David, trat hin vor Rabbi Baruch und begehrte dessen Tochter Genenda zur Frau. Da sah Rabbi Baruch Genenda an, und als er eine helle Träne in ihren großen, schwarzen Augen bemerkte, las er von ihnen sogleich die bejahende Antwort ab. Er gab also seine Einwilligung, und noch am selben Abende zog David einen Ring vom Finger und steckte ihn Genenda an den Goldfinger ihrer rechten Hand und sprach dabei: »Mit diesem Ringe segne ich dich zu meinem Weibe für ewige Zeiten nach den Gesetzen Moses und Israel.« Und Rabbi Baruch sprach: »Amen.« Hierauf taten sich alle drei an einem Festabendmahle wohl. Dabei wurde festgesetzt, daß David 400 Goldgulden an die Braut zu zahlen hätte, wenn er ihr aus was immer für einem Grunde entsagen sollte, Rabbi Baruch hingegen dem David einen Brief gebe, durch welchen er sich verbände, für immer und ewig der Würde eines Chassans zu entsagen und überhaupt nie und nirgends mehr zu singen oder einen Bogen zu schwingen, wenn er David die Tochter verweigerte. Auch der Termin der Hochzeit wurde bestimmt, und zwar der Sonntag nach dem Sabbat Nachamu. Von nun an zog David am Anfang der Woche aus, um wie sein Schwiegervater als Sänger Geld zu erwerben, und kehrte am Freitag mit viel Geld und kostbaren Geschenken für seine Braut zurück. So ging es bis zum Sabbat Nachamu. An diesem Tage kamen Genendas Freundinnen, um

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