Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Siegfried Kapper als Ghettodichter
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 532 (sequence 20)
- Language
- German
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532 Siegfried Kapper als Qhettodichter. öffenen Grabe habe. Dieser erzählte, es sei das Grab des Acher Jehuda, der auf so seltsame Weise von der Erde verschwunden, und von dem man sich so viel des Wunderbaren erzählt. Vor langen Jahren habe in Prag ein Bachur, Namens Jehuda, gelebt, der weit und breit im Rufe seltener Gelehrsamkeit stand. Er ging bei Rabbi Meir, der damals das Oberhaupt des Beth-Din war, zur Schule. Der Bachur erfreute sich einer solchen Achtung des Rabbi, daß er von ihm nicht als Schüler, sondern als Freund behandelt wurde. Dieser setzte in ihn die größten Hoffnungen und sagte ihm, wenn er fortfahre, wie er begonnen, so werde er sogar Moses übertreffen. Jehuda antwortete dem Rabbi: »Jawohl, ich will zur Wahrheit machen die Verheißung! Zog jedoch Gott, als er Moses die Tafeln des Gesetzes gab, an ihm unsichtbar vorüber, so will ich ihn schauen von Aug zu Aug, von Angesicht zu Angesicht, denn im Wissen liegen die Sprüche, die selbst Gott bannen! Fragen will ich ihn danach, wonach zu fragen Moses versäumt hat, und um dessentwillen jetzt Israel in Knechtschaft jammert und in Elend!« Nach einem Jahre, am Sabbat vor dem 9. Ab hielt er seine erste Predigt. Die wirkte auf den Rabbi so sehr, daß er den Schüler seinen Meister nannte und ihm seine Tochter Malka zur Frau gab. Ein Jahr später, wieder am Sabbat vor dem 9. Ab, wollte er abermals eine Predigt halten und zwar eine solche, in der die Verheißung, daß einst ein Mann über Moses erstehen werde, bewahrheitet werden sollte. Am Freitag Abend vor diesem Samstag nahm er sein graues Gewand und seinen Stab, segnete sein Weib und sein ganz kleines Kind und machte sich auf, fortzugehen. Er ging durch die dunklen Straßen und kam zu einem schwarzen Pförtlein. Indem er mit einem Hammer dreimal darauf klopfte, begehrte er Einlaß, damit er im Räume hinter der Pforte Gott von Angesicht zu Angesicht schaue. Das Pförtchen tat sich selbst auf und schloß sich hinter Jehuda mit ungeheurem Getöse. Er befand sich auf