Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Siegfried Kapper als Ghettodichter
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 531 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Siegfried Kapper als Ghettodichter. 531 im Walde unter einem Baume vergraben. Als die Preußen heranrückten, flohen alle Bewohner und mit ihnen auch Knaus. Da der Wald, in dem sich Knausens Geld befand, österreichische Soldaten beherbergte, wurde er von den Preußen angezündet und verbrannte auch zum Teile. Als der Krieg vorüber war und Knaus in seinen Wohnort zurückkehrte, war er mit einem Schlage ein armer Mann, denn er war nicht imstande, den Baum zu finden, unter welchem er sein Geld verborgen hatte. Er litt Hunger, doch kein Mensch hatte mit dem verarmten Geizhalse Mitleid. Da erhängte er sich an einem Baumast. Die Leute aus dem Orte liefen zusammen und beriefen auch sogleich den Totengräber. Dieser grub ihm unter dem Schicksals־, vollen Baume ein Grab. Kaum hatte er eine Elle tief gegraben, so geriet er auf etwas Hartes — es war ein eisernes Gefäß mit dem Schatze des reichen Knaus. Die Geschichte »Der seltsame Orach« erzählt Falk so, wie er sie von Ensel, dem Diener Rabbi Cheskels, erfahren hatte. Das Leichenhaus des vormaligen Friedhofes wird von Rabbi Wolf, dem ehemaligen Tempeldiener der Altneuschul, bewohnt. Er lebt darin zurückgezogen von aller Welt, einsam und schweigsam. Rabbi Wolf hatte ein eigenes, wundersames Los. Es war einmal am Freitag Abend vor dem 9. Ab. In der Altneuschul war der Gottesdienst zu Ende und die Orchim harrten der Hausväter, bei denen sie für den Sabbat geladen waren. Alle Leute hatten das Gotteshaus verlassen. Auf der untersten Stufe vor dem Gotteshause stand noch ein Orach, dessen sich niemand angenommen. Als ihn Rabbi Wolf, der Tempeldiener, gewahrte, lud er ihn zu sich ein. Er wohnte damals in der Nähe des Friedhofes. Bevor sie sich noch zu Tische gesetzt hatten, bemerkte der Fremdling am Friedhofe ein offenes Grab, in das der Mond hinein leuchtete. Er fragte den Tempeldiener, was für eine Bewandtnis es mit dem 34»