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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 5 · p. Seite 530

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 5
Article
Siegfried Kapper als Ghettodichter
Date
1912-01-01
Page
Seite 530 (sequence 18)
Language
German
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530 Siegfried Kapper als Ghettodichter. das Allerinnerste des neuen Tempels. Und als sie zur Schwelle des Tempels kamen und in die hochgeschwungenen Hallen eintraten, da war erst das Wunder zu schauen, denn verschwunden waren die Gerüste und verschwunden die Spur jenes Brandes; keine Asche lag auf dem Boden und keine Kohle auf den Stufen des Altars, kein Vorhang und keine Tapete war versehrt, und nicht einmal das hölzerne Getäfel an den Wänden trug irgend eine Spur verwüstender Flammen. Die Männer entzündeten die siebenarmige Lampe und sangen Dankgebete und Preislieder dem Herrn. Am nächsten Morgen versammelten sie sich wieder, hinauszuziehen in festlichem Zuge nach dem Tempel; denn 8 Tage lang wollten sie das Chanuckafest feiern. Als sie aber den Berg erstiegen hatten, von dem man das Tal überschauen konnte, sahen sie statt dessen einen großen See. Mitten aus dem See aber, nahe dem Ausgange des Tales, ragte ein kleines Hügeleiland aus den Wassern empor, und auf dem Eilande stand ein schlichtes Haus, das Haus Esras, bestehend aus vier Mauern von unbehauenen Steinen. Der Eingang stand offen, und man konnte hineinschauen in das Innere des Hauses und da sah man ein schwaches Flämmchen glimmen. Am Boden aber lag Esra entseelt und hielt seine Hände wie schützend ausgestreckt über die Lade des Bundes; denn die Wellen des Sees hatten sie herausgehoben aus dem neuen Tempel und hineingetragen in das Haus Esras. Am Schlüsse des Romanes »Falk« erzählt Kapper noch zwei Geschichten aus seiner Erinnerung. Die erste »Vom reichen Knaus« spielt in Falks Heimat in der Zeit des siebenjährigen Krieges, die zweite »Der seltsame Orach« ist eine Prager Sage. Der reiche Knaus war ein Geizhals, der sich nichts zu essen gönnte, in zerfetzter Kleidung herumging und als Wohnung eine kleine Kammer mit ein wenig Stroh, welches ihm als Lager diente, benützte. Sein Geld hatte er

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