Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Siegfried Kapper als Ghettodichter
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 529 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829843-2829849-2891729--39823-2891771- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Siegfried Kapper als Ghettodichter. 529 Schatz behalten und brauchte dem Herrn kein Haus mehr zu bauen. Es vergingen Wochen und Monde, und als das Chanuckafest kam, war der großartige Tempel fertig. Aber auch Esra hatte seinen früheren Plan ausgeführt und am Ende des Tales für das ersparte Geld nach dem Gelöbnis seiner Ahnen ein Gotteshaus erbaut, denn die ganze Gemeinde hatte sich von ihm gewendet. Es war die letzte Nacht vor dem Chanuckaabend. Perez erhob sich von seinem Lager und bestieg einen Berg, um das Tal und den ganzen Bau, der sich in der Mitte des Tales erhob, zu überschauen. Dann eilte er in seine Kammer zurück und sah noch einmal die Pläne und Berechnungen des Baues durch. Mit einem Male sprang er empor, schlug mit krampfhaft geballter Faust auf eine Stelle des Pergaments, schrie auf und starrte auf seine Pergamentrolle hin. Dann erholte er sich von seinem Schmerze, schrieb einige Zeilen auf ein Blatt und stürzte hinaus in die tiefe Nacht. Als am Morgen die Ältesten der Gemeinde kamen, und den Meister riefen, daß er mit ihnen hinausgehe und das Abnehmen der Gerüste anordne, da fanden sie ihn nicht. Sie entdeckten aber das Blatt, auf dem geschrieben stand, der Tempel, den Perez erbaut, werde zusammensinken in Schutt und Trümmer, sobald das Gerüst hinweggenommen wird. Er habe in seinen Berechnungen einen Fehler entdeckt. Da erschraken die Männer, beriefen die Gemeinde zusammen und berieten, was zu tun sei. Da riet ein alter und vielerfahrener Mann, man solle unter das Gerüst Feuerbrände werfen, daß es aufgehe in Flammen. Dann werde es sich zeigen, ob der Bau dem Herrn genehm sei oder nicht. Dies geschah. Furchtbar war die Weiheflamme des ersten Chanuckaabends. Das Gebälke war verbrannt und der Tempel stand unversehrt da. Am nächsten Morgen gingen die Männer in Begleitung der ganzen Gemeinde hin zur Felsenhöhle, hoben die Lade des Bundes von der .Stelle, wo sie über 1000 Jahre stand, und trugen sie in .Monatsschrift, 56. Jahrgang. 34