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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 5 · p. Seite 521

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 5
Article
Siegfried Kapper als Ghettodichter
Date
1912-01-01
Page
Seite 521 (sequence 9)
Language
German
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Siegfried Kapper als Ghettodichter. 521 Wahrheit forschend. Drei von diesen Ghettogeschichten (»Oenenda«, »Der seltsameOrach« und »Glimmen de Kohlen«) stammen aus der Vorzeit des Prager Ghettos und wurden im 38. Bändchen der bei Brandeis in Prag erscheinenden »Jüdischen Universalb i b 1 i o t h e k« abgedruckt. Schließlich ist ein jüdisches Fastnachtsspiel »Ahasverus« zu nennen, welches am angezeigten Orte in Prutzens »Deutschem Museum« erschien. Während die zuerst in der »Libussa« veröffentlichten Ghettogeschichten durchwegs sagenhaften Inhaltes sind, schildert uns Kapper im »Falk« das wirkliche Leben und Treiben einer jüdischen Familie auf dem Lande. Mehr als greifbar ist die Tendenz, die sich gegen die Art der jüdisehen Ehen wendet. Seine Ansicht über diesen Gegenstand hat Kapper in einem eingeschalteten Briefe klar niedergelegt. Falk, der Held des Romanes, ist studiosus medicinae und nimmt bei Schönzweig eine Hofmeisterstelle an, um so viel zu erübrigen, daß er sein Doktorexamen machen kann. Er ist der gute Geist der Familie. Seine Zöglinge belehrend und erziehend, impft er ihnen den Sinn für alles Schöne und Gute ein. Aber sein Einfluß erstreckt sich nicht nur auf die ihm zugewiesenen Kinder Schönzweigs, sondern auch auf die Erwachsenen, welche sich schon im Geschäfte betätigen. Und so hängen alle Kinder des reichen Kaufmannes mit Liebe an ihrem freundschaftliehen Erzieher und Berater. Schönzweig kann seinem Hauslehrer die Achtung nicht versagen, aber im Grunde betrachtet er ihn doch nur als einen Bedienten, gerade so wie seinen Aufseher, nur daß er jenem seinen größten Schatz, seine Kinder, anvertraut hat. Schönzweig ist ein reicher Kaufmann, der es versteht, sein Geschäft und auch sein Vermögen von Tag zu Tag zu vergrößern. Die Verehelichung seines Sohnes Josef und seiner Tochter Hanna mit den Kindern Friedheimers ist ihm nichts anderes als

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