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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 5 · p. Seite 519

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 5
Article
Siegfried Kapper als Ghettodichter
Date
1912-01-01
Page
Seite 519 (sequence 7)
Language
German
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Siegfried Kapper als Qhettodichter. 519 ungen, Wünschen und Eindrücken auf uns einstürmt. Ein solcher unverlöschlicher, festhaftender Eindruck ist es, den ein seltsames Komödienspiel in meiner Seele zurückgelassen, das sich zu einer Zeit vor meinen Augen entwickelte, da ich kaum mehr als vier, höchstens fünf Jahre zählen mochte. Ein alter jüdischer Musikant, ein kleines, trippelndes Männchen, ging damals bei meinen Eltern ein und aus und strich auf seiner Oeige mit schwarzem, rothaarenem Fiedelbogen allerlei alte Tänze und Lieder, sang auch zuweilen mit dünner, kreischender Stimme dazu, *wofür er dann gewöhnlich mit den Überresten des Mittagmahls und einigen Kreuzern beschenkt wurde. Der Mann — Itzigel Fiedele war sein Name — hatte an uns Kindern seine unersättlichen Bewunderer. Wir kannten zum großen Teile seine Stücklein auswendig und wurden doch nicht müde, sie wieder und immer wieder anzuhören. Das kam daher, weil Itzigel Fiedele sie mit allerhand ergötzlichen Grimassen zu begleiten verstand, über welche wir des Lachens oft kein Ende finden konnten. Wenn er sang, so war es stets lustiges Zeug: wie das kluge Mäusele das dumme Kätzele foppt, wie das kleine Nascherl in einem Topfe mit Pflaumenmus schmählich ertrunken wäre, wenn es die Köchin nicht bei Zeiten an den Ohren herausgezogen hätte, und was dergleichen mehr war. Auch unsern kleinen Witz ließ er sich gefallen und hatte nicht das Mindeste dagegen, daß wir ihm von Ferne zuriefen: Itzig Fiedele, Sing’ mir a Liedele! Spiel mir a Tänzele, Präger Schwänzele! So oft er Zeit hatte — und das war ziemlich häufig — ließ er sich auf dem Prellstein in der Durchfahrt unseres Hauses nieder und ließ sich auf unser Bitten herbei,

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