Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 502 (sequence 2)
- Language
- German
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Besprechungen. 502 und dringend nötig wars, das noch ganz unerforschte mittelalterliche und neuzeitliche Hebräisch zu erforschen, eine Aufgabe, die leider bei Ben Jehuda der Bibel gegenüber stark zurücktritt. Der Sammelfleiß Ben Juhudas verdient alle Achtung. Sein Wörterbuch baut sich aus folgenden Sprachelementen auf: 1. aus dem biblischen oder alten Hebräisch, das wir vollständig erhalten (die Eigennamen freilich fehlen); 2. aus dem Sprachschatz des Talmud und Midrasch, soweit dieser nämlich hebräisch ist; die im hebräischen Gewände erscheinenden Aramaismen wurden aufgenommen, nicht aber die aramäischen Vokabeln selbst, was nur zu billigen ist, noch weniger aber griechische und persische Vokabeln, obzwar ich hierin einen festen Plan nicht bemerken kann, da einige griechische Worte, die aber bereits als hebräisch empfunden wurden, allerdings aufgenommen sind. 3. aus der fast unübersehbaren nachtalmudischen Literatur, also aus den Schriften der Dezisoren, der Philosophen, der Naturforscher, der Dichter und Sänger, und wir stehen nicht an, in diesem Element den Schwerpunkt des Ben Jehudas’schen Werkes zu erblicken, weil hier etwas völlig Neues geschaffen wurde. Als 4. Element möchten wir die Neuschöpfungen bezeichnen, von denen wir auf Treu und Glauben annehmen müssen, daß sie, wie der Verfasser versichert, in dem heute gesprochenen Hebräisch von Palästina Bürgerrecht erworben haben; ein Beleg wird hiefür nicht gegeben. Nun muß man aber wissen, daß diese Neubildungen zumeist die Geisteskiader unseres Verfassers sind — was uns übrigens der Verfasser auf dem Titelblatt ausdrücklich sagt — Neubildungen, die er als Apostel der modernen hebräischen Sprache in Palästina in seinen Zeit- und sonstigen Schriften selber geschaffen und propagiert hat, und da muß man doch den stereotypen Vermerk,daß sie bereits in der lebenden Sprache Wurzel gefaßt hab9n, mit großem Mißtrauen aufnehmen. Die meisten hebräisch Redenden wurden füglich am Busen der alten Literatur genährt, und denen sind diese Neologismen, wenn nicht ein Greuel, so doch etwas Unverständliches, und die Männer der Wissenschaft werden ganz gewiß so manches Gebilde aus Hang zum Purismus abweisen. Ich erinnere mich, daß, als ich im Jahre 1905 mit Herrn und Frau Ben Jehuda zu Wagen von Jerusalem nach Jericha fuhr und diese eben erst zur Welt gekommenen Schöpfungen zu hören bekam, sie zumeist für unannehmbar bezeichnet habe. Immerhin schadet es nicht, wenn einmal auch dieser neue *Reichtum« ge* bucht wird, und es hat einen eigenen Reiz, wenn man z. B. erfährt, wie Vogelscheuche (דחלול S917 ״b) oder Weste (1483 חזיהa) in modernem Hebräisch heißen. So ist auch z, B. der wichtige Begriff ־־ב דפס drucken (S. 978a) nirgends sonst gebucht.