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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 4 · p. Seite 492

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 4
Article
Die Grundlagen einer jüdischen Ethik
Date
1912-01-01
Page
Seite 492 (sequence 15)
Language
German
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492 Die Grundlagen einer jüdischen Ethik. Auffassung die Tierkämpfe und die Jagden1 2), weil die Freude an ihnen Roheit der Gesinnung beweist und nährte »Das ist der Zug der Zeit: Grausames Spiel berauscht die Menge, nährt die rohen Triebe. In wildem Rennen nach gewagtetri Ziel wird totgehetzt die Ti et־- und Menschenliebe«8). Mit Recht verbietet daher das Judentum derartige Vergnügungen. Weil im Altertum in den Zirktisspielen Tiere lind selbst auch Menschen grausam zu Tode gequält: wurden, hält der Talmud sogar den Besuch solcher Zirkusspiele für unstatthaft«, »Wer im Zirkus sitzt, beteiligt sich gleichsam am Blutvergießen«3). Durch folgende Erzählung sucht der Talmud den Menschen die Schonung der Tiere ans Herz zu legen. Ein Kalb, das zur Schlachtbank geführt wurde, hatte sich losgerissen und flüchtete sich, hilfesuchend zu dem zufällig anwesenden Rabbi Jehuda, in dessen Mantel es seinen Kopf verbarg. Doch dieser stieß es hartherzig von sich mit den Worten: Fort, du bist dazu geschaffen, geschlachtet zu werden. Zur Strafe für diese Mitleidlosigkeit wurde der Rabbi bald von einer langjährigen schweren Krankheit heimgesucht. Einmal sah dieser Gelehrte von seinem Krankenlager aus, wie seine Magd die Jungen einer Katze aus dem Hause hinausfegte, uni sie ins Wasser zu werfen. Da rief ihr der Rabbi zu : »Laß sie ruhig im Hause, denn Gottes Erbarmen erstreckt sich über alle Wesen«4). Bald darauf genas auch der Rabbi wieder von seiner Krankheit, weil er Zartgefühl für die Tiere bekundete5 *). *) Baba Mezia 23 u. 33. ־) Karl Landsteiner. s) jer. Sanhedrin 40 a. So berichtet Jos., Bellum Judaicum VII״ 2, 3, daß Titus nach der Einnahme von Jerusalem viele jüdische Kriegsgefangene bei den zu Caesarea veranstalteten Zirkusspielen den wilden Tieren hat vorwerfen lassen. Ps. 145, 9. 5) Baba mezia 85 a, Bereschit rabba Par. 33; Jalkiit zu Ps. 145•

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